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Feste und Bräuche in Deutschland - Weihnachten - Wir gehen zur Krippe Weihnachtsschmuck (© wrw / PIXELIO)

Wir gehen zur Krippe

Krippe(© zoom / PIXELIO)
Krippe (© zoom / PIXELIO ) vergrößern

(Kaspar, Melchior und Balthasar von rechts)

Kaspar: Ach, wie sind wir voll Verlangen[1]

Melchior: weit gegangen,

Balthasar: weit gegangen,

Kaspar: über Berge,

Melchior: tief im Tal,

Balthasar: durch die Wüste öd[2] und kahl,

Kaspar: Tag und Nacht auf schlechten Straßen.

Melchior: Unsre Füße sind voll Blasen.

Balthasar: Ach, wie war das Herz oft schwer,

alle drei: doch der Stern ging vor uns her.

Kaspar: Schrecklich knurrte oft der Magen.

Melchior: Räuber wollten uns erschlagen.

Balthasar: Löwen brüllten gar nicht fern,

alle drei: doch wir folgten unserm Stern,

Kaspar: der uns treu geleitet hat, bis in diese schöne Stadt.

Melchior: In die Stadt Jerusalem, wo die vielen Häuser stehn.

Balthasar: Doch wen können wir hier fragen, und wer wird das Kind uns sagen?

Kaspar (zeigt nach links): Welch Palast, welch goldne Tür! Der Herr König wohnet hier!

Melchior: Dieser hohe, edle Mann wird uns helfen, wie er kann.

Balthasar: Schenken wird er uns zum Dank für die Nachricht Speis' und Trank.

alle drei (rufend): Herr Herodes, komm heraus, tritt aus deinem Marmorhaus![3]

Herodes (von links): Ich, Herodes, komm' heraus, tret' aus meinem Marmorhaus,
halt das Zepter[4] in der Hand, König bin ich hier im Land.
Bin gefürchtet, bin gehasst, tue alles, was mir passt.

alle drei: So heißt unsre kleine Schar:

Kaspar: Kaspar,

Melchior: Melchior,

Balthasar: Balthasar.

alle drei: Den Herrn der Welten suchen wir, geboren ist der Heiland hier,
der König, der den Frieden schenkt. Ein Stern hat unsern Weg gelenkt.

Herodes (zu sich): Was? Die Botschaft freut mich wenig. Ich bin König! Ich bin König!
Keiner soll mir das verwehren!

(zu den dreien): Gern will ich den Heiland ehren.
Dank, ihr Herrn! Nun geht geschwind[5], suchet weiter nach. dem Kind!
Wenn ihr's findet, sagt mir's gleich!

(zu sich): Dann schlag' ich's tot auf einen Streich!

Kaspar: Finster waren seine Züge, voller Bosheit und voll Lüge.

Melchior: Nein, wenn wir das Kindlein finden, dürfen wir’s ihm nicht verkünden!

Balthasar: Fliehen wir den bösen Ort!

alle drei: Traurig ziehn wir weiter fort. (langsam gegen die Mitte, Hirten von rechts)

Kaspar: Wer mögen jene Leute sein? Eilig ziehn sie querfeldein[6].

Hirten: Hirten sind wir, arme Leute, viel geplagt und ohne Freude.
Karg[7] ist unser täglich Brot. Unser Schatz heißt Müh und Not.

Melchior: Arm seid ihr und unbekannt, alt und schlecht ist das Gewand.
Und doch liegt es wie ein Licht hell auf eurem Angesicht[8].

Hirten: Hell ist unser Angesicht, angezündet ist ein Licht,
das in unsern Herzen brennt. Endlich hat die Nacht ein End’.

Balthasar: Was ist Großes euch geschehn?

Hirten: Wir eilen, Gottes Sohn zu sehn.
In dieser Nacht, hört, was geschah, stand jäh[9] ein Engel vor uns da,
ein Engel, groß und ernst und schön. Der sagte: Geht nach Bethlehem!
Gott ist als Kind herabgestiegen - in einer Krippe seht ihr's liegen!

alle drei: Durch Sonnenglut, durch Sturm und Regen gingen wir dem Kind entgegen.

Kaspar: Wir gingen Tage, Nächte viel,

Melchior: doch nicht umsonst: Wir sind am Ziel!

Balthasar: Der Stern, dort steht er überm Stalle!

alle drei: Weihnacht ist es für uns alle.

(Wir zünden die Kerzen an und singen ein Weihnachtslied)

Josef Guggenmoos


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[1] das Verlangen: ein starkes Bedürfnis, ein starker Wunsch - Sehnsucht
[2] öde: so, dass da keine oder nur wenige Bäume und Sträucher wachsen können
[3] der Marmor: ein harter, wertvoller Stein, aus dem man besonders Treppen und Statuen macht
[4] das Zepter: eine Art Stab, den besonders Kaiser und Könige als Symbol ihrer Macht tragen
[5] geschwind. schnell
[6] querfeldein: mitten durch Felder und Wiesen
[7] karg: nicht sehr reichlich in der Menge È dürftig
[8] das Angesicht: (geschr; veraltend) - Gesicht, Gesichtsausdruck
[9] jäh: plötzlich und unerwartet





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