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Über den "Weg"
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Am 9. September 1982 wurde der Luftverkehrskaufmann Ronald Babb, 24 Jahre alt, in Lima, der Hauptstadt Perus, verhaftet. Er war im Besitz von mehreren Kilo Kokain. Sein deutscher Partner hatte ihn an die Polizei verraten. Er wurde in das berüchtigte Gefängnis "Lurigancho" gebracht, einem der größten Gefängnisse der Welt mit über 7000 Insassen. Dort bekam er Zeit, über sein Leben, speziell über die Zeit im internationalen Drogenhandel, nachzudenken. Er erzählt selbst:
Über einen Bekannten war ich in das Drogengeschäft eingeführt worden. Ich gehörte zu einer gut funktionierenden Organisation, die jeden Monat große Gewinne einbrachte. Ich hatte mir unter anderem eine Luxusvilla in Florida gekauft und wurde sehr reich.
Aber trotz Geld und Erfolg war das doch nicht die wirkliche Erfüllung meines Lebens - das wurde mir im Moment meiner Verhaftung mit erschreckender Deutlichkeit klar. Ich fing an, bei Gott nach einer Antwort zu suchen, obwohl ich keine große Hilfe von dieser Seite erwartete. Vor einer Reise nach Peru hatte ich aus unbestimmtem Grund meine alte Konfirmationsbibel mit in den Aktenkoffer gepackt. Im Gefängnis wurde sie mir dann als einziger persönlicher Wertgegenstand zurückgegeben. Ich begann, darin zu lesen und den Ausweg aus meinen Problemen zu suchen. Diesmal war es anders als früher beim Bibellesen. Auf einmal hatte ich den Eindruck, daß diese uralten Worte direkt an mich gerichtet waren und zu mir persönlich sprachen.
Das Leben im Gefängnis von "Lurigancho" war der absolute Gegensatz zu meinem bisherigen Leben im Luxus. Die Gefangenen waren zum größten Teil sich selbst überlassen. Gewalt und Mord waren an der Tagesordnung. Alles mußte bezahlt werden, die Zelle, das Bett, Kleidung, bis hin zu genießbarer Nahrung. Das Essen bestand aus Reis und Bohnen. Wasser lief nur 20-30 Minuten am Tag. Typhus und andere Krankheiten waren überall verbreitet. Am unbegreiflichsten war jedoch der Drogenhandel innerhalb der Anstalt. 90% der Gefangenen waren kokainsüchtig. Nun sah ich zum ersten Mal die schreckliche Wirkung der Droge.
Ich bekam eine Einladung, an einem Bibelkreis teilzunehmen, der wöchentlich von einem amerikanischen Missionar abgehalten wurde. Dort wurden viele meiner Fragen beantwortet. Mir wurde langsam klar, daß der Glaube an Jesus Christus keine Philosophie ist, sondern der Glaube an eine tatsächlich lebendige, wenn auch unsichtbare Person.
Vorerst einmal beschäftigten mich Gedanken an die ersehnte Freiheit. Fluchtpläne wurden erarbeitet; durch die Korruption gab es eine Möglichkeit zu entkommen. Aber immer wieder kam etwas dazwischen. Und schließlich landete ich im Hochsicherheitstrakt.
In dieser Zeit wollte ich meinen Glauben fast aufgeben. "Was ist das für ein Gott?" fragte ich mich. Die Antwort erhielt ich in der Bibel: Bisher hatte ich immer nur Menschen vertraut, aber niemals Gott selbst (siehe Jeremia 17, 5-8). Das gab mir zu denken. Aber was konnte Jesus schon in einer solchen Situation tun? Konnte Gott mir helfen, hier wieder herauszukommen? Die Lage schien hoffnungslos. Vom Leiter des Gefängnisses wurde mir mitgeteilt, daß ich garantiert nicht aus der Sicherheitshaft herausgelassen würde. Zur gleichen Zeit erging das Urteil: Zehn Jahre Gefängnis ohne Bewährung!
Eines Nachmittags wurde mir bewußt, daß mein Leben verpfuscht war; es gab keinen Ausweg mehr. Ich kapitulierte und betete zu Jesus Christus in der Hoffnung, daß er mich hörte. Ich überließ ihm mein Leben. Wenn es Gottes Wille war, daß ich hier bleiben sollte, dann sollte dies so geschehen. Wenn er aber wollte, daß ich doch wieder herauskam, dann sollte er es bewirken, und wenn es ging, bald …
Die Antwort kam nur drei Stunden später in Form eines Wunders: Es kam eine Anordnung von höchster Stelle, daß ich unverzüglich aus der Strafzelle entlassen werden sollte. Ich konnte es nicht glauben, und es wurde nicht erklärt, warum diese Anordnung gegeben worden war. So ein Eingreifen in die inneren Angelegenheiten einer Anstalt hatte es wohl noch nie gegeben. Die einzige Erklärung war, daß Gott tatsächlich ein Wunder gewirkt hatte!
Am 2. Oktober 1985 war es endlich soweit: nach 37 Monaten kehrte ich in die Freiheit zurück.
Ronald Babb
Anm.: Ronald Babb lebt heute in Frankfurt und arbeitet unter Gefangenen, um in Gefängnissen besonders von Jesus Christus und der Chance eines Neuanfangs mit ihm zu reden.
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