Der Baumkronenweg am Edersee

Anfang Juli dieses Jahres wurde in Hessen, einem der Bundesländer Deutschlands, eine neue Attraktion für Touristen eröffnet: der Baumkronenweg am Edersee.

Gleich vier der großen Stauseen Deutschlands befinden sich in Hessen. Einer davon ist die Edertalsperre und dort, am unteren östlichen Zipfel in der Nähe des Ortes Hemfurth, befindet sich diese Attraktion.

Wenn man hinfährt, muss man sehr auf die Hinweisschilder an der Straße achten, denn der Zufahrtsweg ist nicht so einfach zu erkennen.

Erstmal wird man mit dem Auto über einen unebenen Feldweg geschaukelt, der an einer zum Parkplatz umgeänderten Weide mündet. Wie an einer Kette aufgereiht stehen dort die Autos, in die Leute ein- und aussteigen, je nachdem ob sie ankommen oder abfahren. Provisorisch aufgehängte Hinweisschilder, alles ist ja noch ganz neu und muss sich schnell bezahlt machen, zeigen an, in welche Richtung man sich zum Eingang bewegen muss. Zwei Bauhütten befinden sich am Eingang. Eine ist die Toilette, an der anderen bezahlt man Eintritt und kann auch noch eine kleine Erfrischung, wie Eis oder kalte Getränke, kaufen. Mit einem Ticket mit elektronischem Streifen, das man dann noch vorzeigen muss, geht es los in den Wald. Der breite, leicht ansteigende Weg ist relativ eben und lässt sich nicht nur von Fußgängern, die fit sind, gut laufen, sondern bietet sich auch an für ältere Menschen, Behinderte und Rollstuhlfahrer. Man merkt allen, denen man begegnet, eine gewisse Erwartung an. Auf halbem Weg befindet sich auf der linken Seite ein schöner Spielplatz für Kinder. Die mit Naturmaterialien gebauten Gerüste laden zum Klettern ein. Man sieht den Kindern den Spaß an und möchte am liebsten verweilen und länger zusehen, doch der Baumkronenweg ruft.

Nach ca. 10 Minuten steht man vor dem aus Holz und Metall gebauten Gerüst. Jetzt kommt die Eintrittskarte zum Zuge, denn man muss sie in einen elektronischen Leser schieben und kann dann erst durch die Drehtür. Hilfe und Assistenz durch eine nette Dame sind zur Hand. Das Gerüst als solches ist schon recht beeindruckend. Es windet sich langsam aber stetig bis in die Baumwipfel. Immer wieder muss man verharren[1] und öfter nach unten schauen, damit man sieht, wie weit oben man schon ist. Wem schwindlig wird, sollte es lieber lassen. Gar nicht steil ist dieser Metallweg, sodass auch der Untrainierte nicht außer Atem kommt und sich so richtig an allem freuen kann. Leises Gemurmel der Stimmen vermischt sich mit den Geräuschen der Natur und dem Zwitschern der Vögel. Hin und wieder ruft ein aufgeregtes Kind seine Eltern und deutet auf etwas von ihm Entdecktes hin. Oben, auf der gut abgesicherten Aussichtsplattform angekommen, wird man mit einem atemberaubenden Blick über den Edersee belohnt. Boote und Menschen auf Surfbrettern sehen wie Spielzeug aus. So klein und winzig. Man verweilt, um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen und versucht alles mit der Kamera festzuhalten. Und während man dabei ist, kann man einfach nicht anders, als im Stillen dem Schöpfer aller Dinge, Jesus Christus, zu danken.

Wieder unten angekommen lädt der Wald, je nach Lust und Laune, noch zu kürzeren oder längeren, gut ausgeschilderten Wanderungen oder zu einem Picknick irgendwo im Wald ein.

Wieder im Auto, schaukelt man über einen anderen Feldweg zur Ausfahrt.

Obwohl nicht gerade preiswert, hat sich der Besuch dieser neuen Touristenattraktion gelohnt. Schließlich schafft man es nicht alle Tage mit relativ geringer Anstrengung in die Baumkronen!

Barbara Menz

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 3/2010

 

[1] warten


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