Neue Wortprägungen im Deutschen ****

Seit 1991 wird von einer unabhängigen Jury von Sprachwissenschaftlern das „Unwort des Jahres“ ausgewählt. Gesucht werden sprachliche Missgriffe, die in die öffentliche Kommunikation eingegangen sind. Hier geht es weniger um Sprachgebrauch als vielmehr um Missbrauch der Sprache. Dadurch zeigt sich, dass Sprache mehr ist als die Summe der Wörterbuch-Einträge.

Das Unwort des Jahres 2010 heißt „alternativlos“. Die Sprachwissenschaftler begründeten das damit, dass dieses Wort sachlich unangemessen den Eindruck erweckt, als gäbe es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit keine Notwendigkeit der Diskussion. „Alternativlos“ bedeutet eine politische Bankrotterklärung[1]. Das Wort wurde aus 624 eingegangenen Vorschlägen ausgewählt. Auf Platz zwei stellte die Jury den vom damaligen deutschen Innenminister Thomas de Maizière geprägten Begriff „Integrationsverweigerer“. Dieser Begriff unterstellt, dass Migranten selbst ihre Integration in das gesellschaftliche Leben in Deutschland verweigern. Die Jury kritisiert gleichzeitig mit der Wahl dieses „Unwortes“, dass der Staat seinerseits für die Integration von Ausländern noch zu wenig tut. Als weiteren sprachlichen „Fehlgriff“ stellte die Jury den Ausdruck „Geschwätz des Augenblicks“ auf den dritten Platz.

Natürlich ist diese Auswahl mehr oder weniger subjektiv. Außerdem bemerkten Kritiker, dass das unscheinbare Wort „alternativlos“ schon seit längerer Zeit im deutschen Sprachgebrauch zu finden ist.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 1/2011

 

[1] Erklärung, dass man „am Ende“ und erledigt ist


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