Die Ukraine – Freizeit 2011

Die Ukraine – Freizeit 2011

Unsere Sommerfreizeit begann mit einem Treffen der deutschen Teilnehmer in Hamburg am 29.07.2011. Leider bekam unsere Gastgeberin gesundheitliche Probleme und musste zuhause bleiben So kam es, dass wir bei unserem Treffen am 30.07. am Flughafen Hamburg nicht zu siebt, sondern zu sechst waren, um über Wien nach Lwiw, dem früheren Lemberg, zu fliegen. Unsere anfängliche Angst, Probleme wegen unseres „Übergewichts“ zu bekommen, erwies sich als grundlos.

Der Flug von Hamburg nach Wien verlief ohne besondere Ereignisse. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter in Richtung Lwiw, jedoch lag dichter Nebel über der Stadt, so dass der Pilot zweimal durch starten musste und nicht landen konnte. Bei einer Zwischenlandung in Krakau zum Tanken durften die Passagiere das Flugzeug nicht verlassen. Schließlich kehrten wir nach Wien zurück. Wir wurden zu einem Sonderschalter geführt, wo sich zwei Mitarbeiter von Austrian Airlines bemühten, den Leuten zu helfen und ihnen Anschlussflüge zu vermitteln. Viele waren ärgerlich und es war entsprechend laut.

Da es inzwischen spät geworden war, konnten wir auf Kosten der Fluglinie im Flughafen – Hotel essen, übernachten und etwas Luxus genießen. Am nächsten Morgen flogen wir dann ohne weitere Komplikationen über Warschau nach Lwiw, wo uns bereits Oxana Buhajenko erwartete. Sie hatte uns bereits bei der Auswahl und Buchung der Gästehäuser geholfen und stand mit einem Kleinbus (Maschrutka) bereit. Nach gut vier Stunden erreichten wir schließlich Jasinja in den Karpaten. Wir fanden dort freundliche Leute und Zwei– oder Drei-Bett-Zimmer vor, die seit unserem letzten Aufenthalt teilweise schön renoviert worden waren. Wir teilten das Haus mit einer Gruppe aus einem Kinderheim. Neben Halb- oder Vollwaisen leben dort auch Kinder, deren Eltern sich nicht mehr um sie kümmern können oder wollen, z.B. aufgrund von Drogen oder Alkohol.

Die ukrainischen Mitarbeiter kamen am Tag nach uns an und es gab manch freudiges Wiedersehen. Bis zur Ankunft unserer Gäste sprachen wir das Programm durch, klärten organisatorische Fragen, beteten für die Freizeit und machten einen schönen Ausflug zu einem orthodoxen Kloster. Die Vorbereitungen schlossen mit einer Abendmahlsfeier.

Die meisten Teilnehmer kamen am 04.08. Bis auf einen aus Kasachstan waren alle Ukrainer. Einige Teilnehmer waren zwei Tage unterwegs und hatten einen Weg von rund 2.000 Km zurückgelegt. Igor aus Kasachstan hatte sogar eine Reise von vier Tagen hinter sich. Dennoch nahmen am Abend des Ankunftstages alle aktiv an den Spielen zum Kennenlernen teil.

Am folgenden Tag begannen wir mit den Gesprächsgruppen. Wie schon in den Jahren zuvor verwendeten wir die „Vertikal“-Hefte und Videos, einen Kurs, der in zehn Lektionen grundlegende Fragen des Glaubens behandelt und gleichzeitig einen guten Einblick in die deutsche Kultur und Mentalität vermittelt. Zunächst schauten wir zur Einführung gemeinsam einen kurzen Videofilm an. Dann sprachen wir in Gruppen über das Video und vertiefende Fragen aus dem Begleitheft. Da unsere Teilnehmer im Bezug auf Sprachkenntnisse und Glauben sehr unterschiedlich waren, gab es verschiedene Gruppen: die „russische “ mit Leuten, die nicht so gut deutsch sprechen, eine mit Menschen, die schon Jesus nachfolgen und drei Gruppen für die, die Fragen haben und suchen. Selbstverständlich war die Gruppe mit Michael, Yana und Elisabeth die beste… Daneben gab auch sogenannte Interessengruppen, die man wählen konnte. Dort wurde über Themen wie Partnerschaft, Ehe und Familie, Alkohol, Sucht, Sekten und Vergebung gesprochen. Außerdem gab es kreative Angebote wie das Basteln von Karten, Origami u.a.

Vom Wetter waren wir nicht immer sehr verwöhnt und so machten wir unseren Halbtagesausflug nach Rachiw und besuchten das ethnologische Museum. Es zeigt die Tier- und Pflanzenwelt der Karpaten, aber auch das Leben und die Arbeit der Menschen in der Vergangenheit auf anschauliche Weise.

Ein Trauerfall überschattete unsere Freizeit: eine Teilnehmerin erfuhr vom Tod ihres Freundes, der bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Obwohl am Sonntag nicht so viele Busse fahren, bekam sie rasch eine Verbindung nach Hause zu ihrer Familie – ein winziger Trost.

Unseren Ganztagsausflug unternahmen wir zur Howerla, dem höchsten Berg der Ukraine (2.063 Meter hoch). Dabei hatten wir gutes, sonniges Wetter und gingen zunächst durch den Wald, vorbei an Bächen und kleinen Flüssen. Als wir die Baumgrenze überschritten, verließen wir das Dach aus Bäumen und Blättern und kamen in die Sonne. Der Weg war recht steil und durch die Regenfälle der letzten Tage stellenweise auch glitschig. Die meisten Teilnehmer gingen bis zum Gipfel. Andere blieben unterhalb des Gipfels, verzehrten das mitgebrachte Mittagessen, bewunderten die Natur und dankten Gott für diesen schönen Tag. Wir hatten ca. 30 bis 40 km Fernsicht – ein fantastischer Ausblick.

An den Abenden hatten wir u.a. einen bunten Abend und einen Folkloreabend. Den ukrainischen Teilnehmern muss hier wirklich ein großes Lob ausgesprochen werden: sie hatten viele Ideen und waren sehr kreativ, Sie sangen und tanzten, trugen Gedichte vor und präsentierten das reiche Erbe ukrainischer Kultur. Ein weiterer Höhepunkt war das Engel- Schäfchen Spiel. Auch hier zeigten besonders die ukrainischen Teilnehmer ihre Fantasie und ihren Einfallsreichtum. In Deutschland ist dieses Spiel auch unter dem Begriff „Wichteln“ bekannt.

Ein großer Dank gebührt den ukrainischen Mitarbeitern, ohne die diese Freizeit nicht möglich gewesen wäre. Ihre Mühe, ihr Zeugnis, sei es durch Wort oder Tat, hat wesentlich zum Gelingen der Freizeit beigetragen. Dafür haben sie zum Teil sehr lange Anfahrtswege in überfüllten Zügen, Mühen und Anstrengungen in Kauf genommen.

In vielen persönlichen Gesprächen und in den Gesprächsgruppen konnten wir unseren Glauben bezeugen und über Jesus sprechen. Die Offenheit und die Bereitschaft der Teilnehmer, über diese Themen zu sprechen, hat uns immer wieder positiv überrascht. Es hat sich viel bewegt in diesen wenigen Tagen. Wir dürfen Jesus zutrauen das er die gute Saat aufgehen lässt.

Irgendwann war es dann soweit: der letzte Tag brach an. Wir verabschiedeten uns von den Geschwistern, die wir in diesen Tagen lieben und schätzen gelernt haben. Einige der ukrainischen Teilnehmer fuhren noch mit nach Iwano – Frankivsk. Nach einer gemeinsamen Stadtbesichtigung trennten sich unsere Wege und von Lwiw ging es für uns Deutsche mit dem Flugzeug zurück in die Heimat – dieses Mal ohne Komplikationen.

Fazit: es war eine schöne, anstrengende und gesegnete Freizeit.

Michael Straßenburg

(Stand: 18.8. 2011)


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