Rund um den Mittelrhein (3)

Rheinromantik

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“ – dieses durch F. Silcher vertonte Gedicht Heinrich Heines von der Loreley ist der Inbegriff der Rheinromantik. Das zwischen Bingen und Bad Godesberg tief eingeschnittene Mittelrheintal hat südlich von St. Goar seine engste Stelle. Am Loreleyfelsen, wo der Sage nach der Nibelungenschatz[1] versenkt worden sein soll, ist der Fluss nur noch 113 Meter breit. Gefährliche Riffe stellten hier früher eine große Gefahr für die Rheinschiffer dar, und wenn sie, betört[2] von den Gesängen der Loreley und ihrem wunderschönen goldenen Haar, abgelenkt waren, zerschellten ihre Boote an den Felsen….

Nicht erst heute ist das Mittelrheintal eine wichtige Verkehrsstraße. Im Mittelalter führte hier der Königsweg des Deutschen Reiches zwischen Aachen und Frankfurt entlang. Zur Bekämpfung der Raubritter und zur Abgrenzung ihrer Herrschaftsbereiche schlossen sich die großen Territorialherren am Rhein, die Erzbischöfe von Köln, Trier und Mainz sowie der Pfalzgraf den Städten im Rheinischen Bund an und lenkten fortan die Geschicke am Rhein. Ihre Burgen schmücken noch heute die Hänge des Mittelrheintals und machen es für viele Touristen zu einem Anziehungspunkt.

Der Westerwald

„…über deinen Höhen pfeift der Wind so kalt“, heißt es in einem Lied über den Westerwald. Der Hohe Westerwald stellt eine kahle, von Basaltlehm[3] bedeckte Hochfläche mit der 657 Meter hohen Fuchskaute dar. Köhlerei[4] und Kriege hatten diese Hochflächen spätestens im 18. Jahrhundert ihrer Bewaldung beraubt. Sie werden im Osten, Süden und Westen vom weniger hohen Ober-Westerwald umgeben, dessen Ränder tief eingeschnitten sind. Zum Rhein schließen sich die Hochflächen des Vorderen Westerwaldes bis zum Siebengebirge und die Montabaurer Höhe an. Ausgedehnte Tonlager bildeten die Grundlage für ein vielseitiges Töpferhandwerk, das heute im Kannenbäcker Land überregionale Bedeutung gewonnen hat. Braunkohle und Erze wurden lange abgebaut, haben heute jedoch keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Aber trotz aller landschaftlichen Reize bildet das raue Klima ein Hindernis für einen regeren Fremdenverkehr.

Die Besitzverhältnisse im Westerwald waren nie einheitlich. Hier hatten die Erzbistümer Köln und Trier Landrechte, aber es bildeten sich eigenständige Territorialherrschaften heraus, so Nassau, Sayn, Wied, Westerburg etc., die alle Burgen und kleine Residenzstädte erbauten. . So gliedert sich heute der Westerwald in die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf.

Die Lahn

Mit der Mosel und der Ahr zählt die Lahn zu den reizvollsten mittelrheinischen Zuflüssen — dieser 245 Kilometer lange Fluss entspringt auf 610 Meter Höhe im Rothaargebirge. In seinem Oberlauf fließt er in einem tief eingeschnittenen Tal zunächst nach Osten, dann bei Marburg nach Süden und fließt dann in einem Tal, an dessen Hängen viele Burgen und Burgruinen stehen, Richtung Taunus und Westerwald und mündet schließlich bei Lahnstein, in der Nähe von Koblenz in den Rhein.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 1/2010

 

[1] Ein sagenumwobener Schatz, der in der deutschen Dichtung des Mittelalters eine große Rolle spielt
[2] jemandem die Fähigkeit nehmen , klar zu denken
[3] ein dunkles, meist grünlich schwarzes Gestein vulkanischen Ursprungs
[4] die Gewinnung von Holzkohle aus Kohlenmeilern.


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