Das Weserbergland

Das Weserbergland beginnt in Hannoversch Münden am Zusammenfluss von Werra und Fulda, durch den die Weser entsteht. Es endet an der Porta Westfalica, dem Durchbruch der Weser durch das Weser- und Wiehengebirge in die Norddeutsche Tiefebene. Es ist eine Mittelgebirgslandschaft zu beiden Seiten der Weser, dem mehrere Landschaftsgebiete angehören, die Teil des Niedersächsischen Berglandes sind. Die wichtigsten Höhenzüge und Berge des Weserberglandes sind Bramwald und Reinhardswald an der Oberweser, der Solling mit dem größten Waldgebiet, der Vogler und Süntel, die Ottensteiner Hochfläche und das Wesergebirge. Die höchste Erhebung des Weserberglandes ist 527,8 m ü. NN[1] im Solling.

Eine Reise entlang der Weser

Hannoversch Münden als südlichste Stadt Niedersachsens ist der Ausgangspunkt. Von hier führt der Weser-Radweg durch das Weserbergland. Aber auch viele Motorradfahrer begeben sich von hier auf die Reise. Wer es beschaulicher mag, nimmt das Personenschiff.

„Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büßen müssen, und hier entsteht durch diesen Kuss, deutsch bis zum Meer, der Weserfluss“ [2] 700 restaurierte Fachwerkhäuser, Welfenschloss und Rathaus als Vertreter der Weserrenaissance, Reste der Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert und zwei mittelalterliche Kirchen ergeben ein Stadtbild, das schon viele Auszeichnungen erhalten hat. In Hannoversch Münden verstarb Doktor Eisenbart. Ein Volkslied besingt noch heute seine Quacksalbereien.

Reinhardswald

Flussabwärts lohnt sich ein Abstecher in den Reinhardswald. Er ist Heimat vieler Märchen der Gebrüder Grimm. So soll z. B. Dornröschen 100 Jahre in der Sababurg geschlafen haben, während Rapunzel ihr langes Haar von der Trendelburg herabließ, und die Geschichte von Schneewittchen bei Alfeld geschehen sein soll.

Naturkundlich Interessierte können den Urwald oder Tierpark Sababurg erkunden. Am Nordrand des Waldgebietes liegt die Stadt Bad Karlshafen am „Dreiländereck“ von Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Naturpark Solling-Vogler

Es schließt sich der Naturpark Solling-Vogler an, der besonders Mountainbiker anlockt.

Sehenswert ist hier das Schloss Fürstenberg mit einer der ältesten Porzellanmanufakturen[3] Europas. Seit 1747 wird hier das „weiße Gold von der Weser“ hergestellt. Das Schloss selbst ist ein ehemaliges Jagdschloss, das ebenfalls im Stil der Weserrenaissance erbaut wurde.

Kulturelles Zentrum der Stadt Höxter und ihrer Umgebung ist das ehemalige Kloster und heutige Schloss Corvey. Es beherbergt das Regionalmuseum, die fürstliche Bibliothek und ist Veranstaltungsort von Ausstellungen und Konzerten.

Über Holzminden kommt man nach Bevern, wo eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Weserrenaissance besichtigt werden kann, das Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute Schloss Bevern. Ein wenig weiter weserabwärts auf der anderen Flussseite erhebt sich die Burgruine Polle. An jedem dritten Sonntag im Monat wird hier das Märchen von Aschenputtel aufgeführt, das hier zu Hause gewesen sein soll. Ganz in der Nähe befindet sich die Burg Ottenstein aus dem 14. Jahrhundert und auf der rechten Weserseite das Kloster Amelungsborn. Dieses besteht seit 1135 und wurde als Zisterzienserorden[4] gegründet. Nach der Reformation[5] wandten sich die Mönche[6] dem evangelischen Glauben zu, und auch heute gibt es noch eine Bruderschaft[7].

Bodenwerder wurde berühmt durch den Lügenbaron Freiherr von Münchhausen. Man sagt, dass er log, dass sich die Balken bogen. Er behauptete unter anderem, auf einer Kanonenkugel geritten zu sein. In der Stadt kann man sein Denkmal und auch ein Museum über ihn besichtigen.

Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln

Rund um Hameln erstreckt sich der Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln. In ihm befindet sich sowohl der Kurort Bad Pyrmont als auch weiter nördlich die Universitätsstadt Rinteln mit ihrem mittelalterlichen Marktplatz. In Emmerthal befindet sich das „Hauptwerk der Weserrenaissance“, Schloss Hämelschenburg. Es ist ein vollständig erhaltenes Rittergut und gilt als eine der schönsten Renaissanceanlagen Deutschlands.

Hameln erlangte Weltberühmtheit durch den Rattenfänger. Dieser befreite die Stadt einst von einer Ratten- und Mäuseplage. Als die Stadtbewohner ihn daraufhin nicht bezahlen wollten, sammelte er die Kinder der Stadt mit seiner Flötenmusik und führte sie alle in die Weser, wo sie ertranken. Die Innenstadt von Hameln ist wunderschön mit vielen alten Fachwerk- und Steinhäusern, zum Teil im Stil der Renaissance, wie z. B. das Hochzeitshaus oder auch das Rattenfängerhaus.

Die Fürstenfamilie der zu Schaumburg-Lippe schaut auf eine tausendjährige Geschichte zurück. In Bückeburg befindet sich ihr Schloss, das noch heute benutzt wird und von Gotik über Renaissance und Rokoko verschiedene Stilrichtungen vereinigt. In der Fürstlichen Hofreitschule wurden seit dem 17. Jahrhundert „Pferde Bückeburger Rasse“ gezüchtet.

Bei der Stadt Minden verlässt die Weser das Bergland. An der Porta Westfalica, der Tür nach Westfalen, wurde 1892-1896 ein Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I erbaut. Es ist das Wahrzeichen der Stadt Porta Westfalica.

Heike Tiedeck

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 3/2010

 

[1] über Normal Null
[2] Inschrift auf dem Weserstein am Zusammenfluss von Werra und Fulda
[3] Eine Fabrik, die Porzellan herstellt
[4] es gibt verschiedene Klostertraditionen
[5] ein Ereignis in der Kirchengeschichte, das dazu führte, dass viele Gläubige die katholische Kirche verließen und die protestantische Kirche gründeten
[6] Männer, die unverheiratet zusammenleben und Gott dienen.
[7] Eine Gemeinschaft von Glaubensbrüdern. Die meisten sind verheiratet und arbeiten in ihren Berufen.


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