Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald

Siegreich, mit hoch erhobenem Schwert steht Hermann der Cherusker[1] auf dem 386 m hohen Teutberg in der Nähe von Hiddesen, südwestlich von Detmold. Mehr als 53 Meter hoch ist das gesamte Denkmal, die Figur allein 26,57 Meter. Sie besteht aus einer von innen begehbaren[2] Eisenkonstruktion, die von außen mit Kupferplatten verkleidet[3] ist. Allein das 7 Meter lange Schwert wiegt ungefähr 550 kg. Es trägt die Aufschrift „Deutsche Einigkeit, meine Stärke. Meine Stärke, Deutschlands Macht“.

Die Statue steht auf einem runden Kuppelbau mit Säulen. Auf dem Dach befindet sich ein Rundlauf[4] für Besucher. Die Ersteigung der Figur ist inzwischen verboten. Die Geschichte behauptet, dass einmal jemand aus Hermanns Nasenloch fiel.

Ernst Bandel begann den Bau 1838. 1846 wurde der Sockel fertiggestellt. Nach einer längeren Pause um die Zeit der 1848er Revolution[5] wurde das Projekt 1863 fortgesetzt und 1875 eingeweiht. Ernst Bandel überlebte die Erschaffung seines Lebenswerks um ein Jahr.

Der geschichtliche Hintergrund

Vor 2000 Jahren, im Jahre 9 n. Chr. [6], wurde die römische Expansion[7] in Germanien durch den Cheruskerfürsten Arminius – so sein wirklicher Name – gestoppt. Dieser war in Rom zum römischen Heerführer ausgebildet worden und hatte die römische Staatsbürgerschaft erlangt. Als er nach Germanien zurückkehrte, sah er die Unterdrückung seines Volkes durch den römischen Statthalter[8] Quintilius Varus. Er gab vor, dessen Freund zu sein, bereitete jedoch gleichzeitig den Aufstand der Germanen vor.

20,000 römische Soldaten kamen in diesem viertägigen Guerilla-Angriff[9] in den Wäldern und Sümpfen Germaniens um. Er ist bekannt geworden als die „Schlacht im Teutoburger Wald“. Archäologische Funde deuten aber auf Kalkriese bei Bramsche in Niedersachsen als auf den tatsächlichen Ort des Geschehens hin. Der römische Historiker Tacitus berichtet von dieser Varusschlacht, ebenso das deutsche Studentenlied: „Als die Römer frech geworden“.

Die Bedeutung des Hermannsdenkmals

Arminius – zu Deutsch Hermann – wurde zur Symbolfigur[10] der Deutschen: Er einte verschiedene germanische Stämme im Kampf gegen die Römer und besiegte diese. So wurde er im 19. Jahrhundert zu einer Symbolfigur. Napoleon hielt Europa besetzt und wurde schließlich besiegt. Deutschland war in viele Einzelstaaten zergliedert[11] und wurde endlich 1871 nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges unter Kaiser Wilhelm I. geeint. Es schien, als verkörpere[12] Hermann all das, was die Deutschen zu der Zeit brauchten: einen Retter und Befreier. Verschiedene Inschriften am Sockel des Denkmals stellen die Verbindung von Kaiser Wilhelm I. zu Arminius her: Er überwindet den Erzfeind (hier Frankreich statt Rom) und eint das in viele Nationalstaaten zersplitterte Volk.

Später missbrauchten verschiedene politische Gruppen „Hermann den Cherusker“ als ihren germanischen Helden, um z.B. deutsche Katholiken, Juden und Sozialdemokraten auszugrenzen[13]. Heute soll das Hermannsdenkmal als Mahnmal[14] für den Frieden dienen.

Der „kleine Hermann“

Mit den über 5 Millionen deutschen Auswanderern nach Amerika im 19. Jahrhundert zog auch der Gedanke des Hermann-Ideals[15]. Um die deutsche Kultur zu erhalten, schloss man sich zu der Vereinigung „Hermanns Söhne“ zusammen. Nach dem deutschen Vorbild wurde 1897 ein kleineres Hermannsdenkmal in Neu-Ulm, Minnesota, eingeweiht.

Tourismus

Das Hermannsdenkmal ist eine der bekanntesten deutschen Sehenswürdigkeiten. Jährlich wird es von mehreren hunderttausend Touristen besucht, oft in Kombination mit den nahe gelegenen Externsteinen, einer bizarren[16] Felsengruppe. Gegen ein Eintrittsgeld kann der Sockel des Denkmals erstiegen werden. Von dem Rundlauf hat man einen weiten Blick ins Umland.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 3/2009

 

[1] Germanischer Volksstamm
[2] Das bedeutet, dass man hineingehen kann.
[3] Von außen sind Kupferplatten angebracht; man sagt auch, ein Haus ist mit Klinkersteinen verkleidet.
[4] eine Galerie, ein Gang, der rings um die Kuppel geht
[5] die gescheiterte deutsche Revolution 1848
[6] n. Chr. = nach Christi Geburt oder kurz: nach Christus
[7] lateinisch: Ausdehnung, Ausbreitung
[8] der Vertreter der römischen Regierung
[9] ein Angriff aus dem Hinterhalt, kein offener Kampf
[10] Seiner Person wird eine symbolische Bedeutung gegeben.
[11] keine Einheit, sondern viele Einzelteile
[12] darstellen, sein
[13] ausschließen aus einer Gruppe, nicht akzeptieren, nicht teilnehmen lassen
[14] ein Zeichen, das uns ermahnt, Frieden zu halten
[15] Inbegriff von etwas Vollkommenen, ein Traumbild oder auch eine Idee, die man verwirklichen will
[16] ungewöhnlich oder seltsam geformt


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