Die Primarstufe

Im Alter von sechs Jahren werden die Kinder in Deutschland schulpflichtig. Wenn sie auch schulreif sind, d.h. wenn sie die körperlichen und geistigen Voraussetzungen erfüllen, besuchen sie für zunächst vier Jahre eine Grundschule. Kinder, bei denen der Schularzt fehlende Schulreife feststellt, können für ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden, oder sie besuchen zunächst einen Schulkindergarten, wo sie in kleinen Gruppen besonders gefördert werden.

In den Klassen der Grundschule werden alle Kinder gemeinsam unterrichtet, gleich welchen Geschlechts, welcher Nationalität oder welchen sozialen Standes. Dort lernen sie Lesen und Schreiben, sowie den Umgang mit Zahlen in den Grundrechenarten. Sie lernen ihre geographische, biologische, physikalische, politische Umwelt zu erkunden und zu begreifen. Das Unterrichtsfach, in dem das geschieht, heißt Sachkunde oder Sachunterricht. Natürlich nimmt auch der musische Bereich einen breiten Raum im Grundschulunterricht ein; Musik, Kunst und Sport sind wichtige Fächer. Der Religionsunterricht hat einen verfassungsmäßig garantierten Platz im Stundenplan. Er wird erteilt nach den Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse und Konfessionen von Lehrerinnen und Lehrern, die dazu eine besondere Bevollmächtigung der Kirche brauchen. Es gibt auch schon Grundschulen, in denen versuchsweise ab der dritten Klasse Englischunterricht erteilt wird. Dies ist aber noch nicht die Regel.

Grundschulkinder erhalten zur Beurteilung ihrer Leistungen in den ersten beiden Jahren noch keine Ziffernzensuren und keine Zeugnisse. An deren Stelle erhalten sie ausführliche Beurteilungen ihres Lernverhaltens, ihres Lernfortschritts und ihres Verhaltens in der Gruppe. Erst ab der Klasse 3 werden die verbalen Beurteilungen mehr und mehr von Zensuren abgelöst. Am Ende der Grundschulzeit erhalten die Kinder noch einmal zusätzlich zu ihrem Ziffernzeugnis eine schriftliche Beurteilung, die deutlich machen soll, welche Schule sie in der Sekundarstufe I besuchen sollten. Kinder, die die Lernziele einer Klasse nicht erreichen oder sich dabei sehr schwer tun, erhalten besonderen Förderunterricht. Dennoch kommt es vor, daß lernschwache Kinder eine Klasse wiederholen müssen.

Eigentlich sollten Grundschulen kleine Klassen mit höchstens 20 Kindern haben. Die Wirklichkeit sieht aber oft ganz anders aus: Es gibt immer mehr Klassen mit 30 und mehr Kindern. Es ist klar, daß sich in solchen großen Klassen die Lehrerinnen und Lehrer nicht so intensiv mit den einzelnen Kindern befassen können, wie sie es gerne möchten und wie es auch gut und notwendig wäre. Aber es gibt einfach zu wenig Lehrkräfte, weil die Bundesländer und Stadtstaaten Deutschlands wegen Geldmangels seit einigen Jahren kaum neue Lehrkräfte zum Dienst eingestellt haben. Dadurch liegt das Durchschnittsalter der Lehrerinnen und Lehrer inzwischen bei 43 Jahren. Und das ist für die Arbeit mit jungen Schulkindern nicht immer gut.

Lothar von Seltmann

 


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