Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?

Die Kartoffel stammt aus Südamerika. Die Inkas[1] in Peru haben sie in den Anden noch in 3000 und 4000 m Höhe auf den dortigen schlechten Böden angebaut, wo kein Mais mehr wuchs. Sie nannten sie „papa“, das heißt „Knolle“.

Der deutsche Name Kartoffel erinnert an Trüffel, italienisch „tartufulo“ (unterirdisch wachsende Pilze), mit denen die Kartoffel anfänglich verglichen wurde.

Die wilde, ungezüchtete Kartoffel in Südamerika schmeckt nicht gut. Aber durch Züchtung hat man ihren Geschmack immer weiter verbessert.

Die Spanier brachten die Kartoffel im 16. Jahrhundert nach Europa. Aber zunächst dachte man nicht daran, sie zu essen. Vielmehr hielt man sie wegen ihrer schönen weiß-lila Blüten in den Gärten von Botanikern[2] und Fürsten als seltene Kostbarkeit.

Die Kartoffel hat als Nahrungsmittel große Vorzüge. Sie wächst auch in kühlen Regionen, wo andere Pflanzen nicht mehr gedeihen. Sie gibt einen großen Ernteertrag, mehr als Getreide. Sie ist mit schlechten Böden zufrieden. Und man kann aus ihr die verschiedenartigsten Speisen herstellen.

Früher gab es in Deutschland und Europa oft Hungersnöte infolge von Missernten, Kriegen u. Ä. Besonders in Ländern und Regionen mit schlechten Böden waren die Menschen durch Hungersnöte gefährdet. Überall dort konnte die Kartoffel viele Menschen satt machen, weil sie auch bei schlechten Böden oder Witterungsverhältnissen einen großen Ernteertrag brachte. Deshalb begann man in Europa immer mehr, die Kartoffel auch zur Ernährung anzubauen.

Im 17. Jahrhundert kam die Kartoffel nach Deutschland. Um ihre Verbreitung hier hat sich besonders der Preußenkönig Friedrich der Große im 18. Jahrhundert verdient gemacht. Denn auch sein Land Preußen, besonders die Provinz Brandenburg, hatte vielfach schlechte Sandböden.

Die Bauern in Preußen wehrten sich anfangs allerdings gegen den Anbau der Kartoffel. Vermutlich probierten sie zunächst die aus den Blüten entstandenen, wie kleine grüne Tomaten aussehenden, ungenießbaren Früchte. Auch die Kartoffelknollen aus der Erde schmeckten ihnen ungekocht nicht. Sogar die Hunde wollten sie nicht fressen. Und eine Pflanze, die über der Erde (leicht) giftig war, sollte in der Erde ungiftig sein? Die Deutschen kennen bis heute das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“

Deshalb erließ Friedrich der Große 1756 den „Kartoffelbefehl“: Jeder Bauer musste unter Androhung von Strafe Kartoffeln anbauen.

Der König soll sich, um den Anbau der Kartoffel zu fördern, auch einer List bedient haben. Er ließ Felder mit Kartoffeln von Soldaten bewachen. „Was bewacht wird, muss wertvoll sein“, sagten sich die Bauern. Als die Soldaten deshalb nachts so taten, als ob sie schliefen, stahlen sich die Bauern einige Kartoffeln aus dem Acker. Da merkten sie, dass die Knollen richtig zubereitet – das heißt gekocht – doch recht gut schmeckten.

So hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland langsam durchgesetzt.

Als im 19. Jahrhundert die Großstädte mit ihren Millionen Menschen entstanden, war die Kartoffel ein wichtiges Volksnahrungsmittel besonders für die ärmeren Menschen. Das sieht man auch auf manchen Gemälden der damaligen Zeit, z. B. auf dem Bild „Die Kartoffelesser“ von dem bekannten Maler V. van Gogh. „Jetzt musst du eine Zeitlang Kartoffeln essen“ bedeutete: „Jetzt musst du ganz sparsam leben.“

Die Kartoffel ist heute aus dem Speiseplan in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Sie ist ein Grundnahrungsmittel und Bestandteil vieler Speisen. Es gibt sie gekocht als Salz- oder Béchamelkartoffeln, im Backofen gebacken als Kartoffelauflauf oder Backkartoffeln, gebraten als Bratkartoffel, Rösti und Kartoffelpuffer, gerieben als Klöße oder Kartoffelpüfferchen, zerstampft als Kartoffelbrei, frittiert als Pommes Frites, Kroketten oder Chips und kalt als Kartoffelsalat. Regional gibt es weitere interessante Kartoffelgerichte.

Heute wird die Kartoffel in der ganzen Welt angebaut, besonders in der gemäßigten Klimazone, also auf der nördlichen Erdhalbkugel in Europa, Russland und Nordamerika – aber auch in Afrika und Asien ist sie als Gemüse bekannt.

Hans Misdorf

[1] südamerikanische Kultur zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert
[2] Wissenschaftler auf dem Gebiet der Pflanzenkunde


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