Aachen – Kaiserstadt im Herzen Europas ***

Aachen verdankt seinen Ruhm den heißen Quellen, die bereits vor 2000 Jahren die Menschen anzogen. Vor allem Karl der Große schätzte die heilenden Wasser und baute Aachen zur Hauptstadt seines Reiches aus. Diese große Vergangenheit ist noch heute zu spüren.

Grenzstadt im Westen

Aachen liegt ganz im Westen Nordrhein-Westfalens. Nur wenige Kilometer sind es bis zum Dreiländereck, wo die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland, Belgiens und der Niederlande zusammenstoßen.

Das internationale Miteinander in der „Euregio“[1] ist ausgezeichnet. Man trifft sich in allen Lebensbereichen über die Grenzen hinweg, die durch die gemeinsame Zugehörigkeit zur Europäischen Union ohnehin kaum noch sichtbar sind.

Schon seit Jahrtausenden geschätzt

Etwa 250.000 Menschen leben heute in Aachen. Vor mehr als 2000 Jahren haben aber bereits die Römer hier gelebt und vor ihnen schon die Kelten. Die vielen schwefelhaltigen[2], bis zu 74 Grad heißen Quellen hatten diese Völker hierher gezogen. Auch heute noch ist Aachen ein beliebtes Heilbad.

Die eigentliche Geschichte der Stadt beginnt aber erst mit dem Frankenkönig Karl dem Großen, der hier im Jahr 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. In Aachen errichtete er eine seiner vielen Pfalzen[3]. Im Alter blieb dieser mächtige und erfolgreiche Herrscher ganz in dieser Stadt. Noch heute kann der Besucher den „Kaiserstuhl“ besichtigen, einen schlichten[4], aus weißem Marmor hergestellten Thronsessel. Er steht in der „Pfalzkapelle“, dem achteckigen Mittelstück des Aachener Kaiserdoms. Etwa sechshundert Jahre lang kamen die deutschen Herrscher zu ihrer feierlichen[5] Krönung hierher. In diesem Münster[6] kann man auch den kostbaren „Karlsschrein“[7] besichtigen, in dem die sterblichen Reste des großen Kaisers des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ aufbewahrt werden. Der Name Aachen ist übrigens auch fränkischen Ursprungs: „Ahha“ heißt so viel wie Wasser.

Lebendige Stadt im Grünen

Aachen ist eine Stadt voller Leben. Die Technische Hochschule genießt internationale Anerkennung. Im Mittelalter dominierten[8] die Tuchweber; heute hat die chemische Industrie die Textilindustrie überholt. Maschinenbau, Elektroindustrie, Glas- und Papierherstellung – Aachen besitzt ein internationales Zeitungsmuseum – nehmen breiten Raum ein. Der Kohlebergbau spielt in der Region eine große Rolle. „Aachener Printen“, ein Honigkuchengebäck, werden besonders zur Weihnachtszeit in aller Welt gerne gegessen. Aachen ist aber auch eine grüne Stadt. Die Naturparks des Hohen Venn wie auch die Täler und Höhen der vulkanischen Eifel liegen vor den Toren der Stadt.

Durch zwei berühmte Auszeichnungen ist Aachen auch international bekannt: Der „Karlspreis“ wird verliehen an Personen, die sich verdient gemacht haben um den „Gedanken der abendländischen Einigung in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung“. Preisträger war z.B. Altbundeskanzler Konrad Adenauer. Der andere Preis ist ein Karnevalsorden „wider den tierischen Ernst“, den besonders humorvolle Menschen aus dem öffentlichen Leben bekommen.

Lothar von Seltmann

Weitere Informationen über Aachen


[1] die Euregio: Abk. für Europäische Region
[2] der Schwefel: in chemisches Element, das gelb ist und unangenehm riecht, wenn man es verbrennt
[3] die Pfalz: dem deutschen König bzw. Kaiser u.a. als Gerichtsstätte dienende wechselnde Residenz
[4] schlicht: einfach und ohne Schmuck oder viele Details
[5] feierlich: ernst und würdevoll; festlich
[6] das Münster: eine große Kirche, die zu einem Kloster (oder einer Diözese) gehört
[7] der Schrein: ein verziertes Behältnis aus edlem Holz, Glas o.Ä., in dem meist religiöse Dinge aufbewahrt werden
[8] dominieren: (vor)herrschen, beherrschen


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