Konstanz am Bodensee ***

Konstanz – die junge und lebendige Universitätsstadt mit glanzvoller Geschichte liegt am unteren Teil des Bodensees. Schon in der Jungsteinzeit wohnten in dieser Gegend Menschen in Pfahlbauten[1]. Später errichteten die Römer hier eine Stadt, die sie nach dem Kaiser Constantius Chlorus benannten.

Handels- und Konzilsstadt

Konstanz, Konzil und Imperia (Bild: Der Weg)

Konstanz, Konzil und Imperia (Bild: Der Weg )

Im Frühmittelalter wurde Konstanz ein bedeutender Bischofssitz. Wegen der günstigen Lage wuchs der Handel, und 1192 wurde es freie deutsche Reichsstadt. 1414 bis 1418 fand hier mit dem Konstanzer Reformkonzil[2] der größte mittelalterliche Kongress des Abendlandes[3] statt. Die damals 6.000 Einwohner brachten etwa 50.000 Konzilteilnehmer unter. Dadurch stand Konstanz in diesen Jahren im Mittelpunkt der Weltpolitik. Das einzige Mal wurde auf deutschem Boden eine Papstwahl abgehalten. Dieses Konzil vereinigte die zerstrittenen Kirchenfürsten des Abendlandes, aber der böhmische Reformator Jan Hus wurde als Ketzer zum Tode verurteilt und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Konstanz blieb auch in den letzten Jahrhunderten heftig umkämpft, blieb im zweiten Weltkrieg aber wegen seiner Nähe zum schweizerischen Kreuzlingen von alliierten Bomben verschont.

Lebendige Stadt am Bodensee

Der Bodensee liegt 395 Meter über dem Meeresspiegel und ganz im Süden Baden-Württembergs am „Dreiländereck“ Deutschland, Österreich, Schweiz. Er ist 538 Quadratkilometer groß, hat eine Uferlinie von 259 Kilometern und ist an seiner tiefsten Stelle 252 Meter tief. Mit einer Länge von insgesamt 63,5 Kilometer ist der See der drittgrößte Binnensee in Europa. Er wird vom Rhein durchflossen.

An der Hafeneinfahrt der 80.000-Einwohner zählenden Stadt Konstanz steht seit 1993 eine sich drehende neun Meter hohe und achtzehn Tonnen schwere Skulptur[4]. Sie ist das Werk des humorvoll-ironischen Bildhauers Peter Lenk, der die weibliche Schönheit aus Kunststein gegossen hat. Sie trägt den Namen „Imperia“. Auf ihren ausgestreckten Händen trägt sie zwei Gaukler[5]-Figuren, die sich die Papst- und die Kaiserkrone aufgesetzt haben; sie sollen die weltliche und kirchliche Macht symbolisieren.

Schöne alte Häuser und Kirchen, wie das im 11. Jahrhundert erbaute Liebfrauenmünster, machen den Gang durch Konstanz zu einem Gang durch die Geschichte. Aber Konstanz ist zugleich eine junge Stadt mit vielen Studenten, die an Universität und Fachhochschule studieren, und einer lebhaften Kunst- und Kulturszene.

Die Blumeninsel Mainau

Insel Mainau (Bild: Der Weg)

Insel Mainau (Bild: Der Weg)

Die Insel Mainau kann man zu Fuß erreichen. Jahrzehntelange Gartenbaukunst hat die ganzjährig geöffnete Insel zu einem Gartenparadies gemacht. [6] Der Gartenbau und das Tourismusgeschäft sind die Haupterwerbsquelle der Inselbewohner. [7] Auf Mainau stehen 150 Jahre alte Mammutbäume, ein Palmenhaus, eine Orangerie[8], ein Schmetterlingshaus[9], und saisonbedingt kann man ein Meer von Tulpen, Narzissen, Rosen, Orchideen, Dahlien, Rhododendren[10] bewundern und eine einmalige Sammlung von Zitronenbäumen aus aller Welt.

Ferdinand Graf von Zeppelin

In Konstanz wurde am 8.07.1838 der Erfinder des ersten bemannten Luftschiffes geboren. Bis 1935 wurden bei hundert Flügen mit dem „Zeppelin“ 10.400 Menschen transportiert, oftmals bis nach Übersee. Heute zeigt das Zeppelin-Museum in Meersburg Einblicke in die deutsche Geschichte der Luftfahrt.

Jörg Bauer

Weitere Informationen über konstanz


[1] der Pfahl: ein (dicker) Stab aus Holz, den man mit einem Ende in die Erde schlägt – Pfosten
[2] das Konzil: eine Versammlung von (katholischen) Bischöfen und meist dem Papst, auf der Fragen der Kirche diskutiert und entschieden werden
[3] das Abendland: die europäischen Völker zusammen als kulturelle Einheit
[4] die Skulptur: eine Figur (aus Bronze, Gips usw.), die ein Künstler gemacht hat – Plastik
[5] der Gaukler: (veraltend) ein Akrobat oder Zauberkünstler, der die Leute durch seine Kunst erheitert und belustigt
[6] Ab 1853 war sie der Sommersitz des späteren Großherzogs Friedrich I von Baden. Er ließ auf den Wiesen und Äckern exotische Bäume, Pflanzen und Blumen anpflanzen. 1932 übernahm sein schwedischer Ururenkel Gustav Lennart Bernadotte die Insel als Erbe und öffnete sie den Touristen.
[7] Jedes Jahr kommen mehr als eine Million Besucher auf die verschiedenen Inseln am Bodensee (Reichenau, Mainau; Lindau)
[8] die Orangerie: Gewächshaus in Parkanlagen des 17. u. 18.Jh.s zum Überwintern von exotischen Gewächsen, bes. Orangenbäumen
[9] mit 1000 verschiedenen lebenden Schmetterlingen
[10] der Rhododendron: ein Busch mit großen, meist roten, rosa oder violetten Blüten, der seine Blätter auch im Winter nicht ververliert


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