München – eine Stadt mit Flair ***

Rathaus und Frauenkirche (Bild: Der Weg)

Rathaus und Frauenkirche (Bild: Der Weg)

Wappen der Stadt München (Bild: Wikimedia Commons)

München, die Hauptstadt Bayerns, erhielt im Jahr 1157 von Herzog Heinrich dem Löwen das Stadtrecht. Man nimmt an, dass der Name auf das Wort „Mönch“[1] zurückgeht, da bereits im 10./11. Jahrhundert Mönche in diese Gegend kamen, die ihre Siedlung „Apud Munichen“ nannten. Das Münchner Stadtwappen, das einen Mönch im goldenen Talar zeigt, weist auf die Anfänge der Stadt hin. München ist mit 1,3 Millionen Einwohnern heute die drittgrößte Stadt Deutschlands, hat die zweitgrößte deutsche Universität [2] und ist zweitgrößte Industriestadt Deutschlands und eine bedeutende Kulturmetropole. Sie ist Europameister im IT[3]-Gewerbe und weltweit die zweitgrößte Verlags- und Medienstadt nach New York.

Das „Millionendorf“

Trotz aller dieser Rekorde spricht man von München als dem „Millionendorf“, weil sich im Zentrum der Stadt ein gemütliches Flair[4] erhalten hat. Manche nennen München auch „die heimliche Hauptstadt Deutschlands“, „Weltstadt mit Herz“ oder „Nördlichste Stadt Italiens“.

Auch in der Altstadt[5], begegnet man diesem Flair. In diesem Bezirk befindet sich das Wahrzeichen Münchens, die Frauenkirche mit ihren Doppeltürmen, der Marienplatz – das Herz von München –, das Hofbräuhaus und der Viktualienmarkt, wo Delikatessen aus aller Welt zum Verkauf angeboten werden. Inmitten der vielen Touristen trifft der Besucher tatsächlich noch echte Einheimische, die den oberbayrischen Dialekt sprechen, sich auf dem Viktualienmarkt ihren Rettich, Brot zur Weißwurst holen und mit einem Bier eine „Brotzeit“ auf einer Bank halten.

Auf „die Wies’n“ gehen [6]

Ein ganz besonderes Flair gibt es auch auf dem Oktoberfest in München. Es ist so in der Welt bekannt, dass viele Ausländer meinen, das sei Deutschland: nämlich Männer in Lederhosen, Frauen in Dirndln[7] und alle Bier trinkend. Das Fest geht auf die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig im Jahre 1810 zurück. Zur Erinnerung daran wird alljährlich wieder auf derselben Wiese, die nach der Braut Ludwigs „Theresienwiese“ genannt wird, ein großes Fest gefeiert, das für einige Wochen Besucher aus aller Welt anzieht: 6,1 Millionen Besucher aus aller Welt trinken 60 Millionen Liter Bier auf „der Wies`n“!

Apropos Fußball

Ebenfalls weltbekannt ist der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands: der 1. FC Bayern München. 1896 wurde übrigens der erste Fußballverein in München gegründet. Er trug den Namen „Terra Pila“. Das ist lateinisch und bedeutet: „Ball mit dem man auf dem Boden spielt“. Der gelehrte Name kam daher, dass es vor allem Gymnasiasten und Studenten waren, die in dem Verein spielten.

Kunst und Kultur

In der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts schlossen sich Maler zu Künstlergemeinschaften zusammen, die sich vor allem im Ortsteil Schwabing ansiedelten, so z.B. die Maler des „Blauen Reiters“, wie Wasilij Kandinsky und Gabriele Münter, Franz Marc, Paul Klee und die Schriftsteller Thomas Mann und Bertolt Brecht, Frank Wedekind und Joachim Ringelnatz.

Wer Kunst und Kultur mag, kommt auch heute noch in München auf seine Kosten[8], und zwar in ganz unterschiedlicher Weise. Die Bayrische Staatsoper hat eine über 300-jährige künstlerische Tradition. In den Münchner Kammerspielen gibt es außergewöhnliche Inszenierungen der Klassik und der Moderne. Das Münchener Residenztheater wird als „schönstes Rokoko[9] der Welt“ bezeichnet. Mit der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ [10] wurde 1956 das politische Kabarett[11] in Deutschland geboren und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit. Kunst kann man in verschiedenen Museen, besonders aber in den drei Pinakotheken, bewundern. In ihnen werden Werke mittelalterlicher bis zeitgenössischer Künstler ausgestellt. Als jüngste unter den drei Pinakotheken wurde im Jahr 2002 die Pinakothek der Moderne eröffnet, die gleich vier bedeutende Einzelmuseen beherbergt, darunter die Sammlung Moderne Kunst mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts von Picasso, Klee, Kandinsky und die Staatliche Grafische Sammlung, in der Zeichnungen und Grafiken von Leonardo da Vinci bis Cezanne zu finden sind.

Welt der Technik

Deutsches Museum (Bild: Der Weg)

Deutsches Museum (Bild: Der Weg)

Zum Lernen und Staunen lädt das 1906 gegründete Deutsche Museum ein. Es ist das größte Technikmuseum in der Welt. Hier kann man z.B. eine riesige Körperzelle begehen, „Gleitflugapparate“ bestaunen, die Otto Lilienthal für seine ersten Flugversuche benutzte, und viele andere Errungenschaften von Technik und Naturwissenschaften kennenlernen, vom Bergbau bis zur Astrophysik, von der Schifffahrt bis zur Elektrotechnik, darunter eine Fülle von Unikaten[12], z.B. den ersten Dieselmotor und das erste Automobil. Wahrzeichen des Deutschen Museums ist sein 65 Meter hoher Turm. Von oben hat man bei gutem Wetter Sicht bis hin zu den Alpen. Innen hängt ein Pendel, das sich langsam seitwärts schwingend bewegt und damit die Erdrotation[13] veranschaulicht.

Dass München auch in bedeutendem Maß zur Entwicklung der Technik beiträgt, zeigen die vielen Hightech-Firmengründungen. Und mit Theodor Hänsch, einem Physikprofessor, gibt es jetzt auch einen Münchner Nobelpreisträger.

Großunternehmen mit weltbekannten Namen wie Siemens, BMW, MAN, Linde haben ihren Sitz in München. Die Bayerischen Motorenwerke (BMW), im Jahr 1916 gegründet, gehören zu den „Top Ten“ der deutschen Industrie und beschäftigen ca. 29.000 Mitarbeiter. Ein junger, stark wachsender, Wissenschaftszweig in der Stadt ist die Mikroelektronik.

Erholung im Grünen

Wer von Sehenswürdigkeiten und Besichtigungen erst einmal genug hat, findet Entspannung im Grünen mitten in der Stadt. 1792 wurde der „Englische Garten“ eröffnet, um den Münchnern Erholung in der Natur zu ermöglichen. Er galt übrigens als erster „demokratischer“ Park – er war offen für jeden, nicht nur für die Leute aus der Oberschicht. An den Ufern der Isar kann man Camping machen, Rad fahren, spazieren gehen, picknicken, baden. Sogar Wellenreiten soll inzwischen möglich sein. Wer die Anstrengung nicht scheut[14], kann auch im 1972 erbauten Olympiagelände den Olympiaberg besteigen und Münchens Flair von oben auf sich wirken lassen und den Blick in das herrliche Voralpenland genießen.

Heike Tiedeck

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 2/2008

Artikel als Hörtext

 

 

[1] Ein Mann, der in einer Gemeinschaft von Männern lebt, einem Kloster, um Gott zu dienen. Mönche heiraten nicht und führen ein einfaches Leben.
[2] Die größten Universitäten sind die Ludwig-Maximilians-Universität mit etwa 42.000 Studenten und die Technische Universität München mit ca. 22.000 Studenten. Sie gehören beide zu den neun deutschen Eliteuniversitäten.
[3] Informations-Technologie – man spricht gerne von „Laptop und Lederhosen“
[4] Atmosphäre, persönliche Note
[5] die im Süden durch das Karlstor, Sendlinger Tor und Isartor und im Norden durch den Altstadtring begrenzt wird
[6] ein anderer Ausdruck für: das Oktoberfest besuchen
[7] ein spezielles Kleid für Frauen
[8] auf seine Kosten kommen; es gibt ausreichend Gelegenheit und Möglichkeit, diese Sache zu tun.
[9] das Rokoko
[10] Ein Wortspiel: eine Wach- und Schließgesellschaft ist eine Firma, die für die Sicherheit von Gebäuden sorgt, ein Sicherheitsdienst. Daraus wurde Lach- und Schießgesellschaft. „Schießen“ bedeutet hier nicht, mit dem Gewehr zu schießen, sondern „Lachen“. „Das ist zum Schießen komisch“ heißt: das ist zum Lachen komisch.
[11] Theater, das politische Themen humorvoll und kritisch betrachtet
[12] etw., was nur einmal vorhanden ist, was es nur [noch] in einem Exemplar gibt
[13] die Erddrehung
[14] Anstrengung scheuen, faul sein


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