Münster – alte Hauptstadt Westfalens

„Du bist nicht mächtig, bis nicht wild, bist deines stillen Kindes Bild.“ So schrieb die Dichterin Anette von Droste-Hülshoff über ihre münsterländische Heimat, die zwischen Rhein, Ems und Lippe liegt. Das flache, weite Land ist der nördliche Teil von Wesfalen[1] – und mittendrin liegt Münster, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region.

Eine Stadt mit Geschichte

Münster ist schon eine alte Stadt. Vor über 1200 Jahren errichtete der Friesenmissionar Liudger an einem Übergang über den Fluss Aa ein Kloster[2]. Das lateinischen Wort für Kloster, „monasterium“, gab später der Stadt ihren Namen. Aus dem Bau einer ersten kleinen Kirche erwuchs später der St.-Paulus-Dom. Hellgrün leuchten die Kupferdächer[3] der aus hellem Sandstein[4] gebauten bedeutendsten Kirche Westfalens. Im Inneren sieht man viele schöne Bilder und Skulpturen[5].

Östlich des Domes liegt das Zentrum der Stadt mit dem Prinzipalmarkt. Die hohen Giebelhäuser[6] mit ihren Bogengängen[7]gehören wie das Rathaus in ihrer Mitte zu den Wahrzeichen der Stadt. Leider wurde die Altstadt im Krieg fast völlig zerstört. Später wurde sie aber sehr schön in ihren alten Straßenzügen wieder aufgebaut.

Im Rathaus erinnert der Friedenssaal mit seiner kostbaren Wandvertäfelung an ein wichtiges Ereignis. Nach dem schrecklichen Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wurde hier vier Jahre lang über den Frieden verhandelt. 1648 führte dies zum sogenannten „Westfälischen Frieden“.

Vom Gesandten des Papstes erzählt man, dass er damals Münster die „Stadt des Regens“ genannt hat. Er beschwerte sich über die schlammigen[8] Straßen und über das Essen. Vor allem aß er das sehr harte Schwarzbrot, hier „Pumpernickel[9] genannt, nicht gern.

Die St. Lambertikirche

Vom Markt aus sehen wir noch eine andere interessante Kirche, die Kirche St. Lamberti. 298 Treppenstufen führen auf den Turm, von dem man einen herrlichen Rundblick auf Münster und die Umgebung hat. Abends, von 21 bis 24 Uhr steht hier ein „Türmer“[10], einer der wenigen, die es in Deutschland und Europa noch gibt. Seine Aufgabe ist es, über die Stadt zu wachen und die Uhrzeit zu melden. Alle halbe Stunde bläst er dazu in sein geschwungenes Horn aus Metall.

Außen an der Kirche hängen drei Käfige[11].Sie erinnern an das Jahr 1535. Eine aus den Niederlanden stammende Gruppe von „Wiedertäufern“[12] hatte in einem Aufstand versucht, Münster zu einem „christlichen Königreich“ zu machen. Als man sie besiegt hatte, wurden die Leichen der Anführer der „Wiedertäuferbewegung“ in die Käfige gelegt, damit alle Vorübergehenden sie sehen sollten. Man wollte die Bevölkerung warnen, zum katholischen Glauben zurückzukehren.

Barocke Bauten und Natur

Aber nicht nur im Mittelalter entstanden in Münster schöne Bauwerke. Sehenswert sind auch die barocken Bauwerke des Baumeisters Johann Conrad Schlaun. Er hat unter anderem das Schloss des Fürstbischofs gebaut, in dem heute die Verwaltung der Universität untergebracht ist. Aber auch der sogenannte „Erbdrostenhof“ ist von ihm gestaltet. Hier wohnte der höchste Beamte des Fürstbischofs, der Freiherr von Droste-Vischering.

Vom Schloss aus kann man auf einem herrlichen Spazierweg die Stadt umrunden. Unter anderem kommt man dann auch am schönen Aasee vorbei. Und bestimmt begegnet man vielen Fahrrädern. Radfahren ist nämlich die liebste Beschäftigung der Münsteraner. 60 Prozent des Verkehrs in Münster geschieht mit dem Fahrrad, oder dem „Leeze“, wie es hier heißt. Dafür gibt es aber schöne und große Radwege und Fahrräder haben auch meistens Vorfahrt!

Fahrrad- und Studentenstadt

Viele der Fahrradfahrer sind Studenten, denn mit 60.000 Studierenden machen die Universität und die Fachhochschule Münster zu einer „Studentenstadt“. Sie geben der Stadt ein junges Gesicht und füllen sie mit Leben. Abends findet man so manchen Studenten vielleicht in einer der vielen Kneipen[13] der Stadt. Schon früh war Münster für seinen hohen Verbrauch an Bier bekannt.

Noch vieles könnte man über die Stadt erzählen, die sogar einmal eine „Hansestadt“[14] war. Das neue, 1956 erbaute Stadttheater ist ein freundlich wirkender Bau. 1993 folgte die postmodern gebaute Stadtbibliothek, die innen einem Schiff ähnlich sieht. Bekannte Museen sind das Westfälische Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte und das Freilichtmuseum[15] „Mühlenhof“. Hier kann man sehen, wie die Bauern in den vergangenen Jahrhunderten in Westfalen gelebt haben.
Weitere Informationen über Münster

[1] Westfalen: der nordöstl. Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
[2] das Kloster: ein Komplex aus mehreren Gebäuden und einer Kirche, die zusammengehören und in denen Mönche oder Nonnen leben
[3] das Kupfer: ein relativ weiches, rötliches Metall, das sehr gut Strom leitet
[4] der Sandstein: ein grauer oder gelblicher weicher Stein aus Sand und Ton oder Kalk, der sich leicht bearbeiten läßt
[5] die Skulptur: eine Figur (aus Bronze, Gips usw), die ein Künstler gemacht hat
[6] der Giebel: der obere, meist dreieckige Teil der Wand an der schmalen Seite eines Gebäudes
[7] der Bogengang: Wölbengang; Arkaden (=eine Reihe von Bogen, die von Säulen oder Pfeilern getragen werden und unter denen man [besonders an Gebäuden oder an Geschäftshäusern] durchgehen kann)
[8] schlammig: voller Schlamm (= einer feuchten Masse meist aus Wasser und Erde)
[9] der Pumpernickel: ein sehr dunkles und festes (Roggen)Brot ohne Rinde
[10] der Türmer: ein Wachposten auf dem Turm
[11] der Käfig: (hier) eine Art Kasten mit festem Boden und Gittern rundherum, in dem man normalerweise kleine Haustiere (z.B. Vögel) hält
[12] Die „Wiedertäufer“ oder „Baptisten“ wurden in der damaligen Zeit oft schwer verfolgt. Die Gruppe in Münster war jedoch eine sehr extreme Gruppe mit falschen, nicht biblischen Vorstellungen. Die meisten Baptisten waren jedoch friedliebende Leute, die allein Gott dienen, und nur das tun wollten, was sie aus der Bibel als richtig erkannt hatten.
[13] die Kneipe: ein einfaches Lokal, in das man geht, um etwas (besonders alkoholische Getränke) zu trinken
[14] die Hanse: eine Vereinigung deutscher Handelsstädte im 12.-16. Jhdt.; (von ahd. Hansa, d.h.„Schar“)
[15] das Freilichtmuseum: ein Museum unter freiem Himmel

 


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