850 Jahre Schwäbisch Hall ***

Vor 850 Jahren wurde Schwäbisch Hall erstmalig urkundlich erwähnt. In der Urkunde vom 10. Februar 1156 heißt es, dass die Kirche St. Michael geweiht wurde und der Stadt das Marktrecht verliehen wurde. Eine üppig sprudelnde Salzquelle und ein selbstbewusster Magistrat[1] ließen die Reichsstadt in den folgenden Jahrhunderten aufblühen.

Eine „Salzstadt“

Schwäbisch Hall liegt im Nordosten des Bundeslandes Baden-Württemberg, etwa 60 km nordöstlich von Stuttgart. Wie alle Orte, die im Namen die Silbe „Hall“ enthalten, besitzt auch Schwäbisch Hall eine Solequelle[2]. Die Sole und das daraus gewonnene Salz waren auch Grund für die Stadtgründung. Die Salzgewinnung begann vermutlich schon im 11. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurden dann große Gradierwerke[3] errichtet, in denen die Sole über Zweige herunter rieselt. Dabei verdunstet das Wasser zum Teil, und dadurch steigt die Konzentration der Sole. Salz war das „weiße Gold“ des Mittelalters und begründete Reichtum und Ansehen der Stadt. Nach 1800 wurde die Salzsiederei allerdings unrentabel. Das Siederfest, das an Pfingsten gefeiert wird, erinnert bis heute an diese Tradition und lockt viele Touristen an.

Dass Schwäbisch Hall früher wirtschaftlich großen Einfluss hatte, kann man auch an einem alten deutschen Sprichwort erkennen: „etwas ,auf Heller und Pfennig’ zurückzahlen/zurückgeben“[4]. ‚Heller’ und ‚Pfennig’ waren früher kleine deutsche Geldmünzen, wobei ein Heller ursprünglich den Pfennig der Reichsmünzstätte zu Schwäbisch Hall bezeichnete. Deshalb wurde er auch Haller oder Häller genannt. In Süddeutschland wurde er zur weit verbreiteten Münze. Als Kupfermünze war er rot und von geringem Wert. Von daher kommt auch ein zweites Sprichwort: etwas ist keinen (roten) Heller wert[5].

Eine wunderschöne Altstadt

Schwäbisch Hall hat eine der schönsten historischen Altstädte Süddeutschlands. Kein Wunder, dass sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt hat. Die Altstadt mit teilweise erhaltener Stadtmauer, zahlreichen Türmen, überdachten Holzbrücken, einer Vielzahl von Treppen, sowie nahezu unverändert erhaltenen mittelalterlichen Gassen bietet ein eindrucksvolles, geschlossenes Stadtbild. Die Kirche St. Michael mit der großen Freitreppe und der Marktplatz mit dem barocken Rathaus begeistern die Besucher.

Bekannt ist Schwäbisch Hall aber auch durch die Freilichtspiele, die seit 80 Jahren auf der großen Treppe vor der Michaeliskirche stattfinden. Diese ältesten Freilichtspiele Deutschlands ziehen jeden Sommer mehr als 60.000 Besucher an.

Bei einem Gang durch die Michaeliskirche entdecken wir mehrere Grabsteine und Porträts der Familie Bonhoeffer, Vorfahren des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der als Christ und Widerstandskämpfer gegen das Naziregime noch kurz vor Kriegsende 1945 hingerichtet wurde.

In zwei bedeutenden Museen wird Geschichte lebendig: Das Hällisch-Fränkische Museum zeigt Kunst und Kultur der Stadt und der Region vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Tradition und Moderne stehen sich in Schwäbisch Hall auf spannende Weise gegenüber – in der Architektur wie in der Kunst. Neu ist die 2001 fertig gestellte Kunsthalle Würth mit der Sammlung Alter Meister und Wechselausstellungen moderner Kunst. Schwäbisch-Hall ist nicht nur im Jubiläumsjahr eine Reise wert!

Brigitte Faber

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 3/2006

 

[1] der Magistrat: Stadtverwaltung
[2] die Sole: kochsalzhaltiges Wasser
[3] das Gradierwerk: hohes, mit Reisig belegtes Holzgerüst, über das Sole herabrieselt, deren Salzgehalt durch erhöhte Verdunstung ansteigt, sodass salzhaltige, heilkräftige Luft erzeugt wird.
[4] Damit meint man: etwas ganz zurückzahlen, völlig zurückgeben.
[5] etwas ist von sehr geringem Wert


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