Woher kommt das Wort „Ostern“? ***

Bisher waren sich die meisten Wissenschaftler einig: Das Wort „Ostern“ kommt von einer germanischen Göttin „Ostara“, oder aber man verbindet es mit dem Wort „Osten“. Es hat aber nie eine Göttin „Ostara“ gegeben und auch die andere Lösung ist wenig wahrscheinlich. Jetzt gibt es aber eine neue Deutung. Der Sprachwissenschaftler Jürgen Udolph hat die nordgermanischen Sprachen untersucht. Sie kennen eine Wortfamilie, die sprachlich zu Ostern passt: ausa[1] „(Wasser) schöpfen, (be)gießen“.

Das Wort „Ostern“ bezieht sich daher eher auf die Taufe[2], das zentrale Ereignis des christlichen Festes in den ersten Jahrhunderten. Früher fanden die meisten Taufen in der Osternacht statt.

So wie Jesus Christus starb und dann in der Osternacht auferstand, so symbolisiert es auch die Taufe: Das alte Leben eines Menschen geht zu Ende, und Gott schenkt ihm ein neues Leben. Das Übergießen mit oder das Untertauchen in Wasser symbolisieren den Tod, die weißen Kleider das neue Leben. Das Wort „Ostern“ stellt uns also die Frage: „Wie stehen wir zu Jesus Christus?“

Beliebte Osterbräuche **

Jedes Kind in Deutschland kennt den Osterhasen. Er legt die Ostereier, bemalt sie und bringt sie den Kindern. Am liebsten legt er die schön buntgemalten Ostereier in ein selbstgemachtes Nest.

Woher aber kommt dieser Brauch? Genau weiß man es nicht. Seit dem 17. Jahrhundert ist er bekannt. Im Frühling kommt der Hase in die Nähe von Menschen, um Futter zu suchen. Er ist ein Frühlingssymbol und sehr fruchtbar. Bis zu 20 Jungtiere zieht er im Jahr groß. Manche meinen auch, der Osterhase sollte eigentlich ein Osterlamm sein. Schon im Mittelalter backte man zu Ostern das Osterlamm. Es erinnert an Jesus Christus, der für uns unschuldig gestorben ist. Oft wird das Lamm mit der Fahne, dem Zeichen des Sieges, dargestellt.

Schon in vorchristlicher Zeit gab es den Brauch des Osterfeuers. Man begrüßte damit die Sonne, ein Symbol für das Leben und den Sieg über den Winter. Später deutete man es auf Jesus, das Licht des Lebens und den Sieger über den Tod. In den Kirchen wird die Osterkerze in der Osternacht angezündet und in die dunkle Kirche getragen. Die Gemeinde begrüßt sie mit dem Ruf: „Christus ist das Licht – Gott sei ewig Dank!“ In vielen Gegenden Deutschlands leuchtet auch ein großes Osterfeuer aus allerlei Brennbarem[3] in die Osternacht hinein.

Osterspiele **

Bei Jung und Alt beliebt ist das Ostereier-Verstecken. Auf der Wiese, in Bäumen oder auch im Haus werden die bunten Eier versteckt. Wer findet sie am schnellsten und wer findet am meisten? Das macht viel Spaß! Oder man wirft Ostereier aus Schokolade beim Osterspaziergang. Was der Hase unterwegs nicht so alles „verliert“?!

Kinder stoßen auch gerne die Eierspitzen aneinander. Das sogenannte „Eierticken“ oder „Andotzen“ zeigt, wer das stärkste Ei hat. Wenn die Spitze eingedrückt ist, hat man verloren und wenn man Pech hat, verliert man sogar sein Ei an den Gewinner!

Mit hart gekochten Eiern kann man aber noch mehr machen. Beim Eierrollen, lässt man sie einen Hügel hinunter rollen. Gewinner ist derjenige, dessen Ei am weitesten kommt. Oder man wirft die Eier, so weit es geht. Wessen Ei fliegt am weitesten und wessen Ei ist ganz geblieben? Oder, wessen Ei hat ein anderes auf dem Boden getroffen? Bei diesem Spiel gibt es viele Varianten.

Wenn man das Ei auf einen großen Löffel legt, kann man einen Eierwettlauf machen. Derjenige, der am schnellsten am Ziel ist und dabei sein Ei nicht verloren hat, hat gewonnen. Schön, dass man mit Eiern so schön spielen kann, bevor man sie aufisst!

Osterreime**

Unterm Baum im grünen Gras
Sitzt ein kleiner Osterhas‘!
Putzt den Bart und spitzt[4] das Ohr,
Macht ein Männchen[5], guckt[6] hervor.
Springt dann fort mit einem Satz[7]
Und ein kleiner frecher Spatz
Schaut jetzt nach, was denn dort sei.
Und was ist’s? Ein Osterei!
(Volksgut)

Ostern, Ostern, Auferstehn.
Lind[8] und leis‘ die Lüfte wehn.
Hell und froh die Glocken schallen:
Osterglück den Menschen allen!
(Volksgut )

[1] altnordisches Wort
[2] die Taufe: Ritual, bei dem ein Geistlicher die Taufe spendet, indem er den Kopf des Täuflings mit Wasser besprengt od. begießt od. den Täufling in Wasser untertaucht
[3] brennbar: so, dass es (meist leicht und gut) brenne
[4] (die Ohren) spitzen: (hier) aufmerksam und vorsichtig hören
[5] ein Tier macht Männchen: ein Tier sitzt auf den hinteren Pfoten und hält den Körper aufrecht
[6] gucken: gespr; seinen Blick (bewusst) auf etwas richten – sehen
[7] der Satz: (hier) ein großer Sprung
[8] lind: (geh.) angenehm mild, nicht rau od. kalt


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