Martin Luther – Veränderer Deutschlands

Teil 1 Die wunderbare Entdeckung

Teil 2 Große Veränderungen

Geboren wurde ich am 10. November 1483 in Eisleben, einer kleinen Stadt in Thüringen. Dort verdiente mein Vater sein Brot in den Kupferbergwerken. Meine Kinderzeit verlebte ich in Mansfeld, und in Magdeburg und Eisenach besuchte ich die Schule.

1501 ging ich an die Universität in Erfurt, wo ich vier Jahre später den Grad eines Magisters Artium erwarb. Ich war ein guter Schüler, und meine Eltern machten sich viele Hoffnungen. Dann aber geschah etwas, was meinem ganzen Leben eine neue Richtung geben sollte.

Ein furchtbares Gewitter

Gewitter

Gewitter (Bild: Der Weg)

Am 2. Juli 1505, ich war gerade auf dem Weg nach Hause von einem Urlaub, kam ich in ein furchtbares Gewitter. Ich hatte nur noch ein paar Stunden bis nach Erfurt zu laufen, als plötzlich ein gewaltiger Blitz so dicht neben mir in den Boden schlug, daß ich von dem Luftdruck mehrere Meter weit geschleudert wurde. Ich war so erschrocken wie noch nie und rief: „Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden!“

Als ich endlich zu Hause ankam, ging es mir immer wieder durch den Kopf: „… ich will Mönch werden.“ Ja, ich hatte es ernst gemeint. Ich war schon seit einiger Zeit oft traurig gewesen. Ich hatte Angst, Angst um meine Sünde, Angst, daß mich Gott nicht annehmen würde. Was sollte ich tun? Als ich fast vom Blitz getroffen wurde, stand es für mich fest: Ich mußte Mönch werden. Vielleicht konnte ich damit Gott besser gefallen und meine Schuld loswerden. Vielleicht würde er mich dann annehmen. Vielleicht…

Großer Kampf im Kloster

Ich brauchte nur zwei Wochen, dann war es schon soweit. Ich gab alles, was mir gehörte, weg und verabschiedete mich von meinen Freunden. Dann ging ich ins Kloster. Mit ganzem Ernst ging ich an das, was jetzt vor mir lag. Es sollte der schwerste innere Kampf meines Lebens werden.

Nun war ich ein Mönch. Ich studierte Theologie in Wittenberg, und 1511 wurde ich dort sogar zum Professor berufen. Die Arbeit machte mir viel Freude, aber gleichzeitig nahmen auch meine inneren Probleme immer mehr zu. Die Frage wurde in mir immer wichtiger: Wie kann ich überhaupt vor Gott bestehen? „Ich bin verloren, wenn ich auf diese Frage keine Antwort finde“, sagte ich mir, „ich kann einfach so nicht mehr weiterleben.“ Ich versuchte alles, was mir die Kirche anbot, um meine Schuld loszuwerden: Ich bekannte anderen meine Schuld, so oft ich konnte. Aber sofort, nachdem ich dies getan hatte, wurde ich mir immer mehr meiner Schuld bewußt. Ich fand keinen Ausweg. Ich las die Bibel, betete, las theologische Bücher und tat alle frommen Übungen, die es gab. Aber es half nichts. Die Anfechtung wurde immer größer.

Ich lebte als ein vorbildlicher Mönch, aber mein Gewissen war sehr unruhig. Ich wußte, daß ich vor Gott ein Sünder war und daß ich durch das, was ich tat, und durch gute Werke nicht wieder mit Gott in Ordnung kommen konnte. Gott verlangt, daß die Menschen gerecht und vollkommen sind und nicht nur an sich selbst denken. Aber wie konnte dies geschehen? Dazu sind wir ja gar nicht in der Lage! Manchmal haßte ich Gott sogar, daß er so gerecht und den Sündern zornig ist und sie straft. Was meinte Paulus, wenn er in seinem Brief an die Römer schreibt: „Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: ,Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.'“ (Röm 1,17)? Wie sollte ich diese Gerechtigkeit Gottes jemals bekommen?

Eine wunderbare Entdeckung

Tag und Nacht dachte ich darüber nach. Dann wurde es mir eine Tages plötzlich klar: Nicht wir sind es, die diese Gerechtigkeit vor Gott erreichen müssen, nein, sondern Gott möchte uns diese Gerechtigkeit schenken. Wir brauchen dafür nichts zu tun, ja, wir können dafür gar nichts tun. Am Kreuz hat Jesus Christus uns diese Gerechtigkeit erworben. Wir müssen nur fest daran glauben.

Als ich dies verstanden hatte, spürte ich, daß ich völlig neu geboren war. Ich selbst war durch die geöffneten Türen des Paradieses eingetreten. Jetzt hatte ich keine Angst mehr, sondern ich freute mich über die Gerechtigkeit Gottes. In Jesus Christus hatte ich Gott wirklich erkannt. Oh wie wunderbar war das!

Dieses Erlebnis veränderte mein Leben. Viele nannten es später die „Geburtsstunde der Reformation“ . Ich hatte gefunden, wonach ich so lange schon gesucht hatte. Ohne daß ich etwas dazu getan hatte, hatte Gott mich in seiner unverdienten Gnade von meiner Schuld befreit. Daran durfte ich ganz fest glauben.

„So kann es nicht weitergehen!“

Mit neuer Freude ging ich zurück an meine Arbeit. Ich lehrte weiterhin und schrieb viel. Ein Problem aber machte mir große Sorgen. Oft, wenn ich in meiner Gemeinde darauf hinwies, daß uns unsere Sünde vor Gott wirklich leid tun muß, um seine Vergebung zu empfangen, dann wurden mir kleine Zettel hingehalten. Auf diesen Zetteln stand, daß der Käufer durch das Kaufen dieses Zettels von seiner Strafe in der Hölle befreit worden sei. Und wenn ich auf den Markt ging, sah ich sie dort sitzen, die Verkäufer dieser Zettel. Sie machten Geschäfte mit der Not der Menschen. Gottes Vergebung kann man doch nicht kaufen!

So konnte es nicht mehr weitergehen! Ich mußte etwas dagegen tun. Über die Sache mußte gesprochen werden. Aus diesem Grunde wollte ich andere Theologen dazu auffordern, über diese Sache öffentlich zu diskutieren. Ich schrieb deshalb eine Reihe von Lehrsätzen in Lateinisch auf und nagelte sie am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Ob wohl jemand darauf reagieren würde?

Der Sturm bricht los

Martin Luther mit Bibel

Martin Luther – Evang. Stadtkirche Besigheim (Bild: Der Weg)

Zuerst einmal geschah gar nichts. Es blieb alles ruhig. Niemand meldete sich, um über diese 95 Thesen zu sprechen. Dann aber brach ein Sturmwind los, der die Weltgeschichte verändern sollte. Freunde von mir, denen ich einen Abdruck meiner Thesen geschickt hatte, hatten sie ins Deutsche übersetzt und in ganz Deutschland verbreitet. Jetzt erst merkte ich, was ich eigentlich getan hatte. Ich hatte nichts weniger versucht, als gegen den Himmel anzustürmen und die Welt in Brand zu setzten. Aus meiner Not für den einzelnen heraus sollte es zu einer geschichtlichen Wende kommen. Mit dieser Tat hatte ich die Kirche, und damit auch den mit ihr verbundenen Staat, an einer wunden Stelle getroffen. Nun setzten sie sich zur Wehr.

Zuerst kamen mehrere Gespräche mit hohen Kirchenleuten. Die Frage lautete immer wieder: Hat die Kirche wirklich die Autorität, zu tun was sie will? Konnte der Papst Ablässe herausgeben? Oder ist die Bibel die wirkliche Autorität? Für mich war die Frage klar – nur was die Bibel sagt, stimmt. Ihr allein müssen wir gehorchen. Und so dauerte es auch nicht lange, bis ich ein offizielles Schreiben vom Papst bekam. Ich sollte alles, was ich gesagt hatte, zurücknehmen, oder ich würde aus der Kirche ausgestoßen. Was sollte ich tun? Ich verbrannte das Schreiben!


Teil 2: Große Veränderungen

Nachdem Martin Luther Mönch geworden war, ließ ihn eine Frage nicht wieder los: Wie konnte er als sündiger Mensch vor Gott bestehen? Nach einer Zeit des Suchens fand er dann in der Bibel die Antwort: Nur durch Jesus Christus! Als Martin Luther diese wunderbare Entdeckung gemacht hatte, kam er bald in Konflikt mit der Kirche. Er schlug 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg, um auf Probleme in der Kirche hinzuweisen. Dies führte zu Auseinandersetzungen mit der Kirche.

Vor dem Reichstag

Im Frühjahr 1521 kam es zu einem Höhepunkt. Ich sollte vor dem Reichstag in Worms erscheinen. Ich sollte vor dem Kaiser selbst stehen! Ich ging mit Furcht, aber auch mit Freude, und auf meinem Weg nach Worms schlug mir überall öffentliche Begeisterung entgegen. Hier ging es nicht mehr nur um den Glauben. Das Volk hatte in mir auch ein Leitbild für ein neues nationales Empfinden entdeckt. Und doch, es sammelte sich um den Glauben, und es war die Glaubensentscheidung, die für die zukünftige Geschichte Deutschlands von großer Bedeutung war.

Alle waren sie da: Fürsten, Prinzen, Bischöfe, Heerführer und alles, was in Deutschland etwas zu sagen hatte. Und der Kaiser selbst. Ich wurde in die Mitte des Raumes geführt. Dort lagen mehrere meiner Bücher. „Habt Ihr diese Bücher geschrieben, und seid Ihr bereit, sie zu widerrufen?“ wurde ich gefragt. Ich wurde unsicher, dies war eine wichtige Entscheidung. Ich wollte die Sache noch einmal überdenken. Bis zum nächsten Tag gab man mir Zeit. Dann dieselbe Frage. War ich bereit? Nein, ich konnte nicht. Wenn man mir aus der Bibel meine Fehler zeigen könnte, dann ja. Aber wo es um Gottes Wort ging, nein! Ich war an Gottes Wort, die Bibel, gebunden. „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen.“

Mehrere schwere Tage folgten. Was würde jetzt geschehen? Man versuchte, mich weiterhin zur Aufgabe meiner Position und Meinung zu bewegen, aber es nützte nichts. Dann wurde ich verurteilt. Noch drei Wochen lang konnte ich mich frei bewegen. Danach war ich vogelfrei und rechtlos. Was aber sollte jetzt geschehen?

Tags darauf verließ ich Worms, um wieder zurück nach Wittenberg zu reisen.

Gefangen…

Irgendwo unterwegs passierte es, daß ich von einigen Reitern plötzlich aus meinem Wagen gezerrt und weggebracht wurde. Was geschah hier? Ich sollte es bald erfahren. Wir befanden uns auf dem Weg zu einer Burg, als die Reiter mir erklärten, warum sie mich gefangengenommen hatten. Den Befehl hatte der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, gegeben, der mich zu meinem eigenen Schutz auf die Wartburg bei Eisenach bringen ließ. Ich war ja vogelfrei, und jeder, der es wollte, konnte mich ja jetzt töten, ohne daß er irgendeine Strafe fürchten mußte. So wurde ich also auf der Wartburg in der Nähe der Stadt Eisenach versteckt. Dies gefiel mir gar nicht. Man gab mir auch einen neuen Namen: Junker Jörg. Gerne wäre ich wieder nach Wittenberg zurückgekehrt, aber ich konnte nicht. Was sollte ich jetzt machen?

Ein Buch bewegt viele Menschen

In dieser Zeit des Wartens hatte ich Gelegenheit, mehrere Bücher und Aufsätze zu schreiben. Meine schönste Arbeit aber war die Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache. Zum ersten Mal sollte es jetzt eine Übersetzung geben, die jedermann verstehen konnte. In Deutschland sprach man ja zu dieser Zeit in den verschiedenen Gebieten unterschiedliche Dialekte. Ich mußte also versuchen, hier einen Mittelweg zu finden. Nur elf Wochen benötigte ich, um die erste grobe Übersetzung fertigzustellen. Im September 1522 erschien dann das „Newe Testament Deutzsch“ im Druck. Viele Menschen kauften das Buch. Für manche war es das einzige Buch, das sie sich leisten konnten. Es wurde gelesen und gelesen. Nie hatte ich mir vorgestellt, welchen Einfluß dieses Buch haben würde. Nicht nur auf die deutsche Sprache, sondern auch auf das Leben der Menschen!

Im März 1523 verließ ich die Wartburg und ging zurück nach Wittenberg. Ich mußte mich einfach um meine Freunde und um die Sache der „Reformation“ kümmern. Viele Menschen fragten immer wieder, wie ein Christ leben, was er tun und was er nicht tun sollte. Deshalb begann ich wieder, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.

Viel Arbeit wartete auf mich. Ich begann, zusammen mit mehreren Freunden, an der Übersetzung des Alten Testaments in der Bibel zu arbeiten. Dies war ein schwere Aufgabe und benötigte zwölf Jahre. Immer wieder mußte ich mich um aufkommende Probleme kümmern und dazu Stellung nehmen. Der Bauernkrieg von 1524-1525 war eine schreckliche Zeit. Dann, nachdem ich aufgehört hatte, Mönch zu sein, konnte ich heiraten. Mit Katharina von Bora bekam ich eine liebe und treue Frau. Zusammen hatten wir sechs Kinder.

Eine Bewegung wächst

Es war gut zu sehen, wie sich die Reformation des Glaubens ausbreitete. Auch außerhalb Deutschlands, etwa in der Schweiz, erwachten Menschen für die frohe Botschaft von Jesus Christus. Leider konnten wir nicht immer in allen Dingen des Glaubens übereinstimmen, etwa in der Frage, wie wir das Abendmahl verstehen sollten. Darin, daß wir allein durch den Glauben an Jesus Christus errettet werden, waren wir uns aber einig. [Anm. d. Red.: Später entstanden aufgrund dieser unterschiedlichen Auffassungen die reformierte und die lutherische Kirche.]

Langsam konnte man die Reformation nun nicht mehr übersehen. Man nannte jetzt die Evangelischen auch „Protestanten“. Der Kaiser war sehr bemüht, die neue Bewegung zu unterdrücken. Ihr Wachstum machte dies aber immer schwerer. Im Sommer 1530 trafen sich der Kaiser und alle regierenden Fürsten des Reiches in Augsburg, um über die Sache der „Protestanten“, der Evangelischen also, zu beraten. Ich selbst konnte nicht dabei sein und mußte von Coburg aus die Sache mitverfolgen. Mein Freund Melanchton vertrat mich dort. Er versuchte, die Einheit der Kirche zu bewahren, aber es ging nicht mehr. So legte er dort das Augsburgische Bekenntnis der Evangelischen (die „Confessio Augustana“) vor, das erste öffentliche Bekenntnis des evangelischen Glaubens. Der Kaiser lehnte zwar dieses Bekenntnis ab und verweigerte der jungen Kirche seinen Schutz. Diesen aber brauchten wir nicht mehr. Gott, der alle seine Werke aus dem Nichts rufen kann, ist mächtiger als alle irdische Gewalt. Er allein würde uns helfen.

Sicher in Gottes Hand

Dies bestätigte sich in den folgenden Jahren. Wenn es auch manchmal recht schwer war, so traten doch immer mehr Menschen auf unsere Seite. 1534 erschien zum ersten Mal die gesamte Bibel in deutscher Sprache: „Biblia, das ist die ganze Heilige Schrift Deutsch.“ Sie wurde sehr weit verbreitet. Gesundheitlich ging es mir häufig schlecht, aber so lange ich noch etwas für meinen Gott und Jesus Christus tun konnte, wollte ich die Zeit nutzen. 1546 reiste ich noch einmal nach Eisleben, um dort einen Streit zu schlichten. Dabei wurde ich sehr krank. Ich wußte, jetzt mußte ich sterben. Wie gut, daß ich Jesus Christus jetzt kannte. Er ist für mich gestorben, damit ich vor dem Tod keine Angst mehr haben muß. Was für ein Trost war es zu wissen, daß auch der Tod mich nicht aus Gottes Hand reißen konnte. Bei Jesus war ich auch in meiner letzten Stunde sicher. „Wir sind Bettler. Das ist wahr.“ Diesen Satz habe ich soeben noch auf einen Zettel schreiben können. Nichts können wir vor Gott bringen. Wie gut ist es aber, daß Gott uns unsere leeren Hände füllen möchte. Allein aus Gnaden!


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