Die Sterntaler

Es war einmal ein kleines Mädchen. Seine Eltern waren gestorben, und es war sehr arm. Es hatte kein Zimmer zum Wohnen und kein Bett zum Schlafen. Ja, nun hatte sie auch keine Kleider mehr. Nur die, die sie gerade am Körper trug. Was es noch hatte, war ein Stück Brot. Das hatte ihr jemand geschenkt, der Mitleid mit ihr hatte. Das Mädchen aber war gut und glaubte fest an Gott. Und weil es von allen Menschen verlassen war, ging es im Vertrauen auf Gott in die Welt hinaus.

 

Da begegnete es einem armen Mann. Der sprach: „Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig!“ Das Mädchen gab ihm das ganze Stück Brot und sagte: „Gott schütze dich!“. Dann ging es weiter.

Da kam ein Kind, das klagte und sprach: „Es friert mich so an meinem Kopf. Schenk mir etwas, damit ich ihn bedecken kann!“ Da nahm das Mädchen seine Mütze ab und gab sie ihm.

Als es noch weiter gegangen war, traf es ein anderes Kind. Das hatte keinen Pullover an und fror. Da gab es ihm den seinen. Und noch ein anderes Kind hatte keinen Rock. Da gab es ihm seinen Rock.

 

Nach einiger Zeit kam das Mädchen in einen Wald. Es war schon dunkel geworden.

Da traf es noch ein Kind. Das bat um ihr Hemd. Das Mädchen dachte: „Es ist dunkel und niemand sieht mich. Da kann ich doch mein Hemd abgeben.“ Es zog sein Hemd aus und gab es dem Kind.

Und als das Mädchen so dastand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal Sterne vom Himmel. Es waren lauter silberne, harte Geldstücke [1]. Und obwohl das Mädchen sein Hemd weggegeben hatte, hatte es ein neues an. Es war aus einem wunderschönen Stoff. Da sammelte es die Geldstücke ein und war ihr ganzes Leben lang reich.

 

Märchen nach den Gebrüdern Grimm

[1] eigentlich: Taler; eine alte deutsche Münze


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