Raiffeisen – Helfer der Notleidenden***(*)

Viele Bauern und Handwerker in der Dritten Welt bekommen heute gerechte Preise für ihre Erzeugnisse. Viele können sich durch eine Starthilfe einen eigenen Betrieb aufbauen. Den Anstoß zu dieser Entwicklung heute gab hauptsächlich ein deutscher Sozialreformer: Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Er befolgte einen einfachen Grundsatz: „Gemeinsam sind wir stark“. Er wurde so der Begründer des Genossenschaftswesens (= Gemeinschaftswesens).

Raiffeisen lebte in Westdeutschland zwischen Westerwald und Rhein. Er wurde 1818 in Hamm/Sieg als Sohn eines Landwirts und Bürgermeisters geboren. Die Offizierslaufbahn musste er wegen eines Augenleidens aufgeben. Stattdessen wurde er 1845 Kommunalbeamter.

Raiffeisen hat als Bürgermeister mehrerer großer Landgemeinden Tüchtiges geleistet. Er baute Schulen und betrieb den Bau der Westerwaldbahn. Er sorgte für den Bau einer Straße bis zum Rhein. Sie wird nach ihm heute „Historische Raiffeisenstraße“ genannt.

Seine Frau, mit der er mehrere Kinder hatte, starb schon mit 36 Jahren. Eine zweite Ehe blieb kinderlos. Da er halb erblindet war, diente ihm eine Tochter, die unverheiratet blieb, viele Jahre als Sekretärin. 1888 starb er in Neuwied/Rhein.

Raiffeisen war gläubiger evangelischer Christ. Er sagte: „Aus der Liebe zu Gott und dem Nächsten erwächst die Pflicht, den Menschen in Not zu helfen“. Sein christlicher Glaube trieb ihn zum Einsatz für die Not leidende Bevölkerung.

So begann Raiffeisen zunächst damit, direkte Not zu lindern. Im Hungerwinter 1846/47 sammelte er durch einen Verein Geld zum Kauf von Mehl. In einem selbst errichteten Backhaus wurde davon Brot gebacken und an die Bedürftigen verteilt. Sie mussten jedoch, falls es ihnen wieder besser ging, das Brot bezahlen.

Durch weitere Vereine stellte Raiffeisen Geld für andere Nöte bereit. So bekamen z. B. Bauern, die infolge von Missernten durch hohe Schulden in die Hände von Wucherern geraten waren, Geld zur Rettung ihres Hofes. Oder Bedürftigen wurde Geld zur Ausbildung gegeben. Immer sollte jedoch früher oder später das Geld zurückgezahlt werden. Raiffeisen betonte den biblischen Grundsatz: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Nur wer sich selber helfen will, soll auch Hilfe empfangen.

Schließlich half Raiffeisen nicht mehr nur in aktueller Not. Er organisierte ländliche Selbsthilfe und gründete „Darlehens- und Verkaufsgenossenschaften“, wie sie heute heißen. In sie zahlt jedes Mitglied eine bestimmte Geldsumme ein. Davon wird z. B. günstig für alle Mitglieder Saatgut gekauft, Futtermittel, Vieh usw. Oder ihre landwirtschaftlichen Produkte (Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Milch, Fleisch) werden günstig auf dem Markt angeboten. Dabei wird der oft wucherische Zwischenhandel ausgeschaltet. Heute sind Menschen in rund 900 000 Genossenschaften organisiert. Durch sie wird unzähligen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

Hans Misdorf

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 3/2010


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