Alle reden übers Wetter ***

Hallo Irina!

Du fragst, ob wir schon viel Schnee haben? Nein, es regnet oft, obwohl es doch schon Januar ist. Sogar die Kioske auf dem Weihnachtsmarkt waren mit Schnee aus Watte dekoriert[1]. In diesem Winter gab es leider noch nicht viel Schnee. Und wenn es mal schneit, bleibt der Schnee meist nur ein paar Tage liegen. Wie du siehst, vermisse ich den richtigen Winter. Schade, dass meine Tochter bisher nur wenig Gelegenheit hatte, ihren neuen Schlitten auszuprobieren.

Wo bleibt der Schnee?

Der deutsche Winter ist ziemlich mild. Als wir im Januar nach Russland fliegen wollten, musste mein Mann extra eine warme Jacke, Mütze und Handschuhe kaufen. Die Deutschen müssen in die Berge fahren, um Ski zu laufen. Schlittschuh laufen kann man im Eisstadion, weil die Seen nicht zufrieren oder nur eine dünne Eisschicht haben. Da ist die Gefahr groß, dass beim Schlittschuhlaufen das Eis bricht. In manchen Jahren beginnt der Frühling ziemlich früh. Im März und April gibt es häufig schon viele warme Tage, und im Mai können sogar hochsommerliche Temperaturen erreicht werden. Ich freue mich im Frühling vor allem über die Blumenpracht[2] in den deutschen Vorgärten.

Heiße Sommer und Unwetter

Der Sommer macht mir am meisten zu schaffen. Besonders die Hitze im Jahr 2003 mit Rekordtemperaturen um die 40 Grad war kaum zu ertragen. Da es mehrere Wochen keinen Regen gab, ist das Gras vertrocknet, die große Trockenheit hat den Wäldern sehr geschadet. Die Bauern waren von der schlechten Ernte auch sehr enttäuscht. Die Sonne brannte unbarmherzig, es war unerträglich heiß. Die Menschen suchten Erfrischung am und im Wasser, die Schwimmbäder waren überfüllt.

Im Sommer und im Herbst gibt es oft Unwetter, fast immer, bevor sich die Wetterlage ändert. So sind Sturm, Hagel[3] und starke Gewitter keine Seltenheit. Im Jahre 1999 fegte der Sturm „Lothar“ über Süddeutschland hinweg und verursachte schwere Schäden. So sieht der nördliche Schwarzwald, wo wir jetzt leben, an manchen Stellen sehr traurig aus. An vielen Stellen, wo der Sturm gewütet hat, steht jetzt kein Baum mehr.

Im Herbst ist es oft trübe, neblig und es regnet viel. Es gibt aber auch manch warme Tage.

Was kann man tun?

Die zunehmenden Stürme, die Überschwemmungen, wie z.B. in Ostdeutschland im Jahr 2002, und die große Hitzewelle deuten auf eine weltweite Klimaveränderung hin. So sprach man oft in den Massenmedien von der „Jahrhunderthitze“ oder der „Jahrhundertüberschwemmung“. Andererseits ist das Klima in Deutschland deutlich milder und trockener geworden.

Schuld daran ist der Mensch. Die Politiker diskutieren viel darüber, handeln aber nicht. In Deutschland gibt es schon viele Gesetze, die der Verbesserung des Klimaschutzes dienen, aber Veränderungen werden nur zögernd eingeleitet, da die erforderlichen Maßnahmen sehr viel Geld kosten.

Ein Gesetz sieht vor, dass die Gas- und Ölheizungen bestimmte Grenzwerte[4] einhalten müssen. Wie froh war ich, als der Schornsteinfeger nach der Überprüfung unserer Heizung feststellte, dass die Werte in Ordnung sind. Sonst hätten wir sofort eine neue Heizung einbauen müssen!

Doch nun will ich dieses Thema beenden. Die Leute in Deutschland unterhalten sich sowieso zu viel über das Wetter …

Sei herzlich gegrüßt von

Deiner Elena

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 1/2005

[1] etw. dekorieren: etwas mit etwas schöner machen, etwas
[2] die Blumenpracht: [eindrucksvolle] große Menge, Fülle von Blumen
[3] der Hagel: Niederschlag in Form von harten Körnern aus Eis
[4] der Grenzwert: ein extremer Wert, der nicht unter- / überschritten werden darf


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