Deutsche Städte

Freiburg im Breisgau ***

Freiburg im Breisgau ist die südlichste Großstadt Deutschlands und mit 220.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Baden-Württembergs. Sie liegt direkt auf dem 48. nördlichen Breitengrad, nur 3 km östlich von Frankreich und 42 km nördlich der Schweizer Grenze.

Das Freiburger Stadtgebiet umfasst den 1.284 m hohen Berg Schauinsland, einen der höchsten Berge des Schwarzwalds, sowie den östlichen Rand des Oberrheingrabens[1], so dass es einen Höhenunterschied von mehr als 1000 m gibt.

Durch Freiburg fließt die Dreisam, die schließlich in den Rhein mündet. Die Stadt gilt als Tor zum Schwarzwald und ist für ihr sonniges, warmes Klima bekannt.

Die Entstehung der Stadt

1091 wird das „Castrum[2] de Friburch“ auf dem Schlossberg erbaut. 1120 bekommt die Stadt das Markt- und Stadtrecht verliehen. Dank des Handels, der günstigen Lage und reicher Silbervorkommen im Schwarzwald wächst die Stadt schnell und kommt zu Wohlstand und Macht. 1368 kaufen [3] sich die Freiburger Bürger von der Herrschaft der örtlichen Adligen[4] frei und begeben sich direkt unter den Schutz des österreichischen Kaiserhauses der Habsburger. Erst 1806 endet die österreichische Zeit, als auf Befehl Napoleons die Stadt und der Breisgau badisch werden.

Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt ist Ziel von jährlich über drei Millionen Besuchern und erzählt noch immer von der wechselvollen Geschichte Freiburgs. Weithin sichtbar ist der Turm des Münsters. Um das Jahr 1200 begann man die Kirche zu bauen, 1513 wurde sie eingeweiht. Der Baseler Historiker Carl Jakob Burckhardt sagte 1869 über den 116 m hohen Turm: „Und Freiburg wird wohl der schönste Turm auf Erden bleiben.“ Immer wieder wurde das Münster beschädigt, zerstört und wieder neu aufgebaut. Sein größter Feind ist heute die Luftverschmutzung, die an dem Sandstein nagt.

Weitere Zeitzeugen sind das Alte und das Neue Rathaus, die aus dem 13. und 16. Jahrhundert stammen. Das Neue Rathaus war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Universität, die von Erbprinz Albrecht gegründet und später von den Jesuiten übernommen wurde. Jeden Mittag ertönt von seinem Turm seit ungefähr 150 Jahren ein Glockenspiel. 1532 wurde das historische Kaufhaus als städtische Marktverwaltung errichtet. Heute kann man den Kaisersaal, benannt nach Kaiser Wilhelm I., der hier im Jahr 1876 ein Festbankett gab, für besondere Anlässe mieten.

„Achtung, nasse Füße!“

Durch die Altstadt ziehen sich kleine Rinnen im Kopfsteinpflaster, die als „Freiburger Bächle[5]“ bekannt sind. 1238 wurden sie zum ersten Mal erwähnt. In 65 Straßen, Wegen und Plätzen fließt Wasser aus der Dreisam durch die Bächle in natürlichem Gefälle durch die ganze Stadt. Früher dienten sie auch der Wasserversorgung und Brandbekämpfung. Für die Wasserverteilung und Sauberhaltung in den Wasserläufen sorgen die „Bächleputzer“— ein Beruf, den es nur in Freiburg gibt. Man sagt, wer als Gast in Freiburg aus Versehen in ein Bächle tritt, der kommt immer wieder nach Freiburg zurück oder er heiratet eine Freiburgerin oder einen Freiburger.

Von vergangenen Zeiten erzählen auch die drei Stadttore: das Schwaben-Tor im Westen hatte eine richtige Verteidigungsanlage vorgebaut. Das Martins-Tor stammt noch aus der allerersten Stadtbefestigung von 1238. Das Breisacher Tor erinnert an die Herrschaft der Franzosen in Freiburg zur Zeit Ludwig XIV.

Ökohauptstadt Deutschlands

Geht man auf das Webportal der Stadt Freiburg, fallen Begriffe auf wie „Bodenschutz und Altlasten[6]„, „Natur- und Landschaftsschutz“, „Städtisches Klimaschutzprogramm“, „Solar- und Biotechnologie“. Die Partei der Grünen[7] hatte schon bald nach ihrer Gründung in den 70er Jahren eine Hochburg[8] in Freiburg. Noch heute wird der Oberbürgermeister von dieser Partei gestellt. Umwelt- und Klimaschutz werden groß geschrieben, Forschung in erneuerbare Energien[9] gefördert. So gilt Freiburg als „Solar-City“.

30.000 Studenten, die an der Universität und an vier weiteren Hochschulen studieren, prägen die Stadt. Wirtschaftlich spielt Freiburg als Medienstandort eine wichtige Rolle durch Verlage und Radioprogramme, aber besonders auch durch Software-Entwicklung, Web-Design und Multi-Media, sowie eine wachsende IT[10] – Branche.

Die Entstehung des „Rappen“

Als die Freiburger 1327 den Grafen das Münzrecht[11] abgekauft hatten, prägten sie zur Unterscheidung eine Münze, die statt eines ausgebreiteten Adlers nur einen Adlerkopf zeigte. Bald hielt man den Vogel für einen Raben, was im alemannischen Dialekt „Rappen“ heißt. Durch einen Rappenmünzbund mit Basel und anderen oberrheinischen Städten bekam der Rappen Eingang in die Schweiz und wurde Namensgeber für den dortigen „Rappen[12]„.

Heike Tiedeck

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 4/2008

 

[1] Ebene zwischen Schwarzwald und Vogesen, durch die der Rhein fließt
[2] lateinisch: „Burg“
[3] D.h. sie müssen keine Steuern mehr zahlen, genießen aber auch nicht mehr deren Schutz.
[4] Grafen, Herzöge – meist Landeigner; sie bieten militärischen Schutz und verlangen als Gegenleistung von ihren Untertanen hohe Abgaben und Steuern.
[5] kleiner Bach
[6] z.B. durch Müll verseuchter Boden
[7] Diese politische Partei setzt sich besonders für den Umweltschutz ein.
[8] Die Partei hatte hier besonders viele Anhänger.
[9] Energie aus z.B. Sonne und Wind oder Erdwärme
[10] Informations-Technologie
[11] das Recht, Münzen zu prägen
[12] Der Stamm der Alemannen bewohnte den Oberrhein.
[13] 100 Rappen entsprechen 1 Schweizer Franken.


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