Trier, die Römerstadt ***

Trier liegt 15 km östlich von Luxemburg zwischen den Höhenzügen Eifel und Hunsrück an der Mosel. Trotz der relativ geringen durchschnittlichen Sommertemperatur von nur ca. 17° C, wächst an den Hängen oberhalb des Flusses Wein.

War Trier zur Römerzeit mit ca. 80.000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen, so erreichte sie diese Zahl erst wieder 1939. Kriege, Seuchen und Hungersnöte hatten die Einwohnerzahlen auf unter 3000 Ende des 17. Jahrhunderts sinken lassen. Heute hat Trier etwas mehr als 100.000 Einwohner, wovon 67% katholisch sind.

Bildung unt Wirtschaft

9 Gymnasien, eine Universität, eine Fachhochschule, Akademien für Kunst und Recht, eine Fachschule für Technik sowie eine theologische Fakultät und ein Priesterseminar[1] machen deutlich, dass man in Trier Wert auf Bildung legt. Neben verschiedenen mittelständischen Firmen ist Trier vor allem als Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie bekannt.

Sport

Neben Fußball und Basketball kann der Sportbegeisterte auch Baseball, American Football und Rugby ausprobieren. Motorsportfans kennen das Trierer Bergrennen und die Rallye Deutschland. Den Titel „deutsches Sao Paulo“ erhielt Trier für seinen Silvesterlauf, der ähnlich wie der brasilianische Jahresabschlusslauf viel prominenten[2] Zuspruch erfährt. Schachliebhaber feiern die Trierer Erfolge in der Schach-Bundesliga, während die Trierer Kanufahrer sowohl national wie international bekannt sind.

Ursprung und Name

Nach einer Sage soll Trebeta, der Sohn des Assyrerkönigs[3] Ninus, schon 1300 Jahre vor der Entstehung Roms Trier gegründet haben. Eine Plakette am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt aus dem Jahr 1684 weist darauf hin: „ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS“ (Vor Rom stand Trier 1300 Jahre).

Tatsächlich hat man Siedlungen der Bandkeramiker[4] im Stadtgebiet entdeckt, die belegen, dass schon im 3. Jahrtausend vor Christus Menschen im heutigen Trier siedelten.

Die eigentliche Geschichte Triers begann jedoch nach der Entstehung Roms durch die Römer im Jahre 16 v. Chr[5]. Trier ist somit die älteste Stadt Deutschlands (im Gegensatz zu Siedlungen oder Heerlagern[6], die älter sein können).

Der Name der Stadt geht auf den keltischen[7] Stamm der Treverer zurück, der zur Zeit der Stadtgründung hier lebte.

Geschichte

In Trier gibt es noch eine Vielzahl historischer Bauwerke, die der wechselvollen Geschichte standgehalten haben. Manche der Sehenswürdigkeiten gehen auf das 3. und 4. Jahrhundert nach Christus zurück, als Kaiser Konstantin der Große hier residierte. Bereits seit dieser Zeit ist Trier christlich und wurde zum Bischofssitz[8]. Im 5. Jahrhundert verlor Trier seine Bedeutung für die Römer, wurde wiederholt von wandernden Stämmen erobert und kam schließlich 475 unter die Herrschaft der Franken. Grafen, Bischöfe, Franzosen, Preußen – wechselten sich mit der Herrschaft in Trier ab. Seit 1946 gehört Trier zu Rheinland-Pfalz. Ein Trierer, der Weltberühmtheit erlangte, war Karl Marx, Begründer des Marxismus und Nachfahre mehrerer Generationen von Rabbinern[9]. Sein Geburtshaus kann heute noch besichtigt werden.

Sehenswertes

In Trier erlebt man Geschichte zum Anfassen. 2009 wurden zum 8. Mal römische „Brot und Spiele“[10] initiiert[11], wo 20.000 Zuschauer römisches Leben in Trier in echten römischen Gebäuden und Ruinen erleben konnten. Trier hat 9 Welterbestätten[12]. Das ist einzigartig in Deutschland. Die Porta Nigra, das schwarze Tor, ist das Wahrzeichen der Stadt. 20.000 Menschen fasst das römische Amphitheater. Den Trierern sagte man nach, dass sie auch in schwierigen Zeiten nicht auf Kultur verzichten wollten. Verschiedene Thermen zeugen noch heute von Hygiene, Luxus und technischem Verständnis der Römer. Die Konstantinbasilika beherbergt heute die evangelische Kirche. Und für lange Zeit war die Römerbrücke die einzige Brücke über die Mosel. In der Benediktinerabtei[13] St. Matthias soll sich das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen befinden, nämlich das von Apostel[14] Matthias. Der Trierer Dom[15] ist der älteste Dom Deutschlands und geht in seinen Ursprüngen auf das 4. Jahrhundert zurück. Im 11./12. Jahrhundert wurde er zur dreischiffigen romanischen Kirche erweitert. Er ist nach St. Petrus[16] benannt, der auch auf dem Wappen Triers zu sehen ist. Mit dem Dom durch einen Kreuzgang[17] verbunden ist die Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Sehenswert sind auch der mittelalterliche Hauptmarkt, das französische Casino, das kurfürstliche[18] Palais oder die alten Moselkräne.

Mundart[19]

Wie in vielen Teilen Deutschlands gibt es auch in Trier eine Mundart, die für Fremde nicht gleich zu verstehen ist. Da hört man dann schon einmal: „Haal de Schnöß! Eich glaaf dei Kiedel brennt! Kömmer daudeich um daudeich.“ [20] Was die alten Römer wohl dazu sagen würden?

Heike Tiedeck

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 4/2009

 

[1] eine Schule, an der katholische Priester ausgebildet werden
[2] ein Prominenter ist ein sehr bekannter Mensch
[3] die Assyrer waren ein Volk im heutigen Nahen Osten
[4] diese Menschen lebten in der Steinzeit und verzierten ihre Tontöpfe mit bandförmigen Mustern
[5] vor Christus
[6] militärische Siedlung
[7] Kelten gab es z.B. auch in Irland, Wales, Schottland und der Bretagne; ihre Sprachen und Religionen ähneln sich
[8] Zentrum der katholischen Kirche, ein Bischof wohnte und regierte hier
[9] geistlicher Lehrer bei den Juden
[10] indem man den Volksmassen Brot und zur Belustigung „Spiele“, oft blutige Kämpfe, gab, versuchte die herrschende Schicht der Römer das Volk zufrieden zu stellen. Heute bedeuten „Brot und Spiele“, dass Menschen sich als Römer verkleiden und das römische Leben nachspielen
[11] ins Leben rufen
[12] von der UNESCO unter besonderen Schutz gestellte Plätze oder Gebäude
[13] ein Kloster, ein Ort, wo Mönche oder Nonnen lebten, um Gott zu dienen. Die Benediktiner lebten nach den Regeln des Heiligen Benedikt.
[14] Apostel wurden die 12 engsten Nachfolger von Jesus genannt, als er sie in die Welt aussandte, den Menschen von ihm zu erzählen. Der Apostel Matthias wurde später gewählt, nachzulesen in der Bibel, Apostelgeschichte, Kapitel 1, 20 – 26
[15] eine sehr große Kirche, auch Kathedrale genannt
[16] Petrus war Fischer und ein Nachfolger von Jesus Christus; er hat später vielen von seinem Glauben erzählt
[17] zu einem Innenhof offener Gang, der dem Gebet und der Stille diente
[18] der Bischof in Trier wurde auch Kurfürst genannt
[19] Dialekt, ortstypische Form der deutschen Sprache
[20] Halt die Schnauze (den Mund)! Ich glaube, dir geht’s zu gut! Kümmere du dich um deine eigenen Sachen. (www.trier-tip.de/TR_Lexikon/index.html)


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