Weihnachten

Johann Hinrich Wichern und der Anfang des Adventskranzes

Johann Hinrich Wichern gilt als der Erfinder des Adventskranzes. Vielleicht hat er auf andere (ältere) Traditionen zurückgegriffen, aber durch ihn hat der Adventskranz seine Berühmtheit erlangt. Deshalb hier ein paar Lebensdaten zu Wichern:

21.04.1808 Johann Hinrich Wichern erblickt in Hamburg das Licht der Welt.

1823 Johann ist gerade mal 16 Jahre alt, als sein Vater stirbt. Nach dem Tod des Vaters leidet die Familie unter großer Armut. Als Ältester der 7 Geschwister ist er nun für die Versorgung der Familie verantwortlich.

Johann arbeitet nun tagsüber nebenbei, gibt Lateinstunden als Hauslehrer, und nachts macht er sich an seine eigenen Schulaufgaben.

Trotz all seiner Bemühungen ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein[1]. Die Armut wird dadurch kaum behoben.

1826 Wichern wird Erziehungsgehilfe in einem christlichen Schülerinternat. Nebenbei aber bereitet er sich auf ein Hochschulstudium vor, das ihm von einigen Gönnern finanziert wird.

1832 schließt Wichern sein Studium ab.

Wichern wird jetzt Oberlehrer an einer Sonntagsschule[2] speziell für die Arbeiterkinder in den Elendsvierteln Hamburgs. Die Not, die er bei seinen Hausbesuchen zu sehen bekommt, zwingt ihn zum Handeln.

31.10.1833 An diesem Tag zieht Wichern mit seiner Mutter und noch zwei Geschwistern in ein altes Bauernhaus, das unter dem Namen der alten Besitzer „Ruges Haus“ (= Rauhes Haus) bekannt war und ihm von einem Senator der Stadt für seine geplante Sozialarbeit zur Verfügung gestellt wurde.

Mit drei Jungen beginnt Wichern seine Arbeit!

12.1833 Bereits Ende des Jahres hat Wichern 14 heimatlose, arme Jungen im Alter von 5 bis 18 Jahren in sein Haus aufgenommen und ihnen eine neue Heimat gegeben.

Viele Eltern dieser Kinder waren Verbrecher oder Alkoholiker. Lügen und Stehlen gehörte zum Alltag dieser Kinder.

Dennoch übt Wichern keinen Druck und Zwang auf die Jungen aus. Er bietet ihnen lediglich die Liebe Gottes an, indem er ihnen Geschichten aus der Bibel erzählt, viel mit den Jungen singt und ihnen Arbeit gibt.

Bald gehören auch Mädchen zu den Kindern in Wicherns „Rauhem Haus“.

Mit der Zeit gibt es bei Wichern eine Tischlerei, eine Schusterei, eine Buchbinderei und auch eigene Landwirtschaft. So bekommen die Kinder die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen.

Bald kann Wichern diese Arbeit nicht mehr allein bewältigen. Und so holt sich Wichern zahlreiche „Brüder“ ins Haus. Die Helfer sollten wie große Brüder Verantwortung für die Schützlinge übernehmen, sie anleiten und ihnen als Vorbild dienen.

1844 Wichern gründete seine „Brüderanstalt“

1848 Wichern hält eine packende Rede auf dem Wittenberger Kirchentag über die Not der Jugend – mit durchschlagendem Erfolg: Überall stößt sein Ruf auf offene Ohren.

Eine große Arbeit beginnt zu wachsen. Man spricht von den Anfängen der „Inneren Mission“. Denn Wichern erkannte die Not im eigenen Land und die Notwendigkeit, in Verbindung von Glaube und Liebe den Elenden im Land zum Leben zu helfen.

1874 musste Wichern wegen Krankheit seine Ämter niederlegen. Sein Sohn Johannes (1845 – 1914) übernimmt nun die Leitung des Hauses.

07.04.1881 Wichern stirbt nach langer Krankheit. Seine Arbeit lebt bis heute in der Diakonie fort!

Die Ursprünge des Adventskranzes

Wichern feierte natürlich im Rauhen Haus mit seinen Jungs auch den Advent[3]. Doch damals gab es noch nicht so viele Adventssymbole wie heute.

Wichern feierte den Advent zunächst so, dass er mittags für die Jungs und die „Brüder“ eine kurze Andacht anbot. Am Abend sangen sie gemeinsam Adventslieder, und Wichern las eine der vielen biblischen Verheißungen über Jesu Kommen vor.

1839 befestigte er erstmalig auf einem Holzrad vier große weiße Kerzen für die einzelnen Adventssonntage und 19 rote Kerzen für jeden einzelnen Wochentag vom ersten Advent an bis zum Heiligen Abend. Erst Jahre später begann er, das Holzrad mit Tannengrün zu schmücken

Da es jedes Jahr unterschiedlich viele Tage vom ersten Advent bis zum Heiligen Abend gibt, ist die Anzahl der roten Kerzen unterschiedlich.

Was will und kann uns der Adventskranz sagen?

Tannenzweige Das Grün der Tannenzweige ist nicht nur ein Zeichen der Hoffnung, sondern symbolisiert zugleich das Leben. So sind die immergrünen Tannenzweige ein Zeichen der Hoffnung auf das ewige Leben, das wir in Jesus Christus geschenkt bekommen.

Kranz: Kränze gelten seit alters her und in vielen Kulturen als Zeichen des Sieges. Der Adventskranz bringt dieses Siegeszeichen in unsere Häuser, gerade auch in einer dunklen und tristen Jahreszeit, in der die Natur „abstirbt“.

Lichter Die Kerzen und Lichter am Adventskranz. weisen auf den hin, der von sich behauptet: Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Dunkelheit umher irren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt. (Joh 8,12)

Rote Kerzen: Die Farbe Rot steht für die Liebe, speziell für die Liebe Gottes, die er uns in Jesus Christus zuteil werden lässt.

Dass täglich eine Kerze entzündet wird, hat natürlich zur Folge: jeden Tag mehr wird es heller und wärmer um den Kranz bis hin zur Ankunft Jesu am Heiligen Abend.

Adventskranz – Gedicht

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.“

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 4/2009

[1] Ein ganz kleiner Beitrag
[2] Sonntagsschulen entstanden um 1780 in England. In den Sonntagsschulen wollte man verarmten und verwahrlosten Kindern Lesen und Schreiben anhand biblischer Inhalte beibringen.
[3] Advent heißt Ankunft, gemeint ist die Ankunft Jesu, 1.) damals im Stall von Bethlehem, 2.) heute in meinem Herzen, 3.) dereinst, wenn er in Macht und Herrlichkeit wiederkommen und die Welt zu ihrem Ende führen wird. Der Advent beginnt nach dem ersten Sonntag nach dem 26. November(zugleich Beginn des Kirchenjahres) und endet mit dem 24. Dezember an dem jeden Sonntag eine Adventskerze angezündet wird.


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