„Gott ist überall“

Ralf Husemanns Welt ist der Himmel. Dies ist keinesfalls nur geistlich zu verstehen, denn der 33jährige Christ ist Fallschirmspringer. Husemann ist Oberfeldwebel und war bis zum Sommer ’92 bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Altenstadt (Oberbayern) tätig. Er ist unter den militärischen Fallschirmspringern Weltmeister im Einzelziel- und Einzelkombinationsspringen. Ferner ist er Deutscher Meister im Figuren- und im Mannschaftszielspringen. In der deutschen Mannschaft erreichte er darüber hinaus mehrfach den Titel des Vizeweltmeisters im militärischen sowie im zivilen Bereich. Mehr als 4.000 mal wagte er innerhalb von acht Jahren den Sturz aus luftiger Höhe von 1.000 bis 3.000 Metern. Das sind umgerechnet zwei bis drei Sprünge pro Tag. Hier folgt nun ein Interview mit ihm.

Fr.: Herr Husemann, wie sind Sie zum Fallschirmspringen gekommen?

Husemann: Während meiner Grundwehrdienstzeit wurde ich durch eine Truppenwerbung darauf aufmerksam. Bei einer Ausbildung im Fallschirmspringen hatten die Leiter ein Auge darauf, ob förderungswürdige Talente da sind. Die Auswertung war für mich positiv. So habe ich meine komplette Ausbildung als Hochleistungssportler bei der Bundeswehr gemacht.

Fr.: Was macht denn am Fallschirmspringen soviel Spaß?

Husemann: Faszinierend ist für mich vor allem das Technische an der Springerei. Beim Zielspringen geht es beispielsweise darum, mit dem Fallschirm beim Anflug einen genau festgelegten Punkt zu erreichen. Es wird auf eine Scheibe mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern gesprungen. In der Mitte ist eine kreisrunde Markierung von 5 Zentimetern Durchmesser. Nur wer darauf landet, hat ein optimales Ergebnis.

Fr.: Wie leben Sie mit der Gefahr? Es ist doch immer wieder zu hören, daß ein Fallschirmspringer getötet wurde, weil sich sein Schirm nicht öffnete.

Husemann: Die Gefahr spielt für mich nur eine geringe Rolle. Sie ist nicht größer, als in anderen Sportarten, etwa im Motorsportbereich. Insgesamt habe ich fünfmal erlebt, daß mein Hauptschirm sich nicht öffnete. Dann kommt es eben auf die richtige Reaktion an: das Öffnen des Reserveschirms.

Fr.: Sie sind Christ. Hilft beim Wettkampf das Gebet?

Husemann: Wenn ich nur bete, um für einen Wettkampf einen Vorteil zu haben, dann ist das eine Anwendung, die mit dem Christsein überhaupt nichts zu tun hat. Es wäre eine religiöse Übung, bei der es letztlich doch nur um den persönlichen Erfolg ginge. Man kann das Gebet überhaupt nicht mit geistigem oder etwa autogenem Training vergleichen. Es geht um mehr, nämlich um die Entscheidung, mein ganzes Leben Gott anzuvertrauen. Für mich als Christ gehört jeder Bereich meines Lebens voll und ganz meinem Gott. Im Prinzip bin ich im Sport für ihn tätig. Sport ist im Augenblick der Platz, an den ich mich von Gott hingestellt weiß. Er ist Ausdrucksform meines Glaubens – durch die Art und Weise, wie ich Wettkämpfe durchlebe, wie ich mit anderen Menschen umgehe, wie ich mit Sieg und Niederlage fertigwerde.

Fr.: Hilft Ihnen also der Glaube auch im Umgang mit den Kameraden in der Mannschaft?

Husemann: Ja, gerade in dem Bereich. Hier wird die Persönlichkeit des einzelnen stark in Anspruch genommen. Man entdeckt bei sich und anderen die kleinsten Schwächen.

Fr.: Woher wissen Sie denn, daß Gott sich um Sie kümmert?

Husemann: Ich habe im Laufe der Zeit erfahren, daß ich, egal ob ich gewonnen oder verloren habe, in gleicher Weise etwas mit Gott erlebe und bei ihm geborgen bin.

Fr.: Wenn Sie springen, haben Sie ja nach geläufiger Ansicht fast die „Perspektive Gottes“. Sie kommen von oben nach unten. Was erlebt man da?

Husemann: Irgendwann habe ich mich einmal von diesem Bild abgewandt, Gott ist oben und der Mensch ist unten. Gott ist überall! Das wurde mir so richtig bewußt, als ich bei militärischen Einsätzen in 10.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug schaute. Da sieht man schon ein bißchen von der Erdkrümmung, und es wird alles unendlich weit. Ich kam mir fürchterlich klein vor. Ich begriff etwas von Gottes Größe und Herrlichkeit. Ich kann nur danken. Ich weiß, daß ich von diesem Gott getragen werde.

mit freundlicher Genehmigung entnommen aus „idea Spektrum“

 

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