Lebensberichte

Vom Hai gebissen ***

Es ist ein schöner Tag am Strand von Hawaii. Ideal, um auf den hohen Wellen zu surfen[1]. Obwohl erst 14 Jahre alt, ist Bethany Hamilton schon eine bekannte Surferin. Sie ist ein lebenslustiger Teenager, und ihr macht der Sport viel Spaß. Und doch wird dieser 31. Oktober 2003 Bethanys Leben für immer verändern.

Im Wasser kommt plötzlich etwas auf sie zu. Ein drei bis vier Meter langer Tigerhai! Der Raubfisch schnappt blitzschnell zu. Ihr Arm ist sofort ab. Ohne die Schmerzen zu merken, paddelt Bethany mit einem Arm an Land. Ihre Freundin Alana sitzt mit ihrem Vater am Strand. „Ich bin von einem Hai angegriffen worden!“, ruft Bethany ihnen zu. Doch sie ist so ruhig, dass Alanas Vater erst denkt, dass sie scherzt. Als er aber das Blut sieht, schwimmt er ihr sofort entgegen. Mit einem Seil bindet er den Armstumpf ab. Dann zieht er das verletzte Kind aus dem Meer.

Schnell bringen sie Bethany ins Krankenhaus. Als die Notoperation beginnt, hat sie schon die Hälfte ihres Blutes verloren. Aber die Operation gelingt. Ihr Leben wird gerettet. Innerhalb von wenigen Tagen bessert sich Bethanys Zustand. Sie wird bald aus dem Krankenhaus entlassen. So schnell wie möglich möchte sie wieder auf ein Surfbrett.

Gott hört Gebet

Die Kraft, ihr „Schicksal“ zu tragen, hat Bethany aus ihrem Glauben an Jesus Christus. „Gott hat mein Leben so geplant, und ich akzeptiere es“, sagt sie immer wieder. Schon früh hat Bethany sich entschieden, mit Jesus Christus zu leben. Auf ihr Surfbrett schreibt sie sich immer wieder Bibelverse. Der erste, so erinnert sich die Mutter, war „ich kann alles tun in Christus, der mir Kraft gibt“. (Philipper 4,13)

Auch als das schreckliche Unglück passierte, hat sie zu Gott um Hilfe geschrien. „Ich weiß nicht, was ich gebetet habe, ich weiß nur, dass ich es tat“, sagt Bethany. Und nach dem Unfall rief ihre Mutter viele Menschen an, die für Bethany gebetet haben. Sie sagt: „Damals fühlte ich in meinem Herzen, dass sie jetzt in Gottes Hand liegt. Ich betete: ‚Sie gehört jetzt ganz dir, Herr!‘“

Kraft und Hilfe durch Jesus Christus

Nur wenige Monate nach dem Haiangriff geht Bethany wieder surfen. Sie gewinnt den fünften Platz eines landesweiten Schulwettbewerbs. Ihr unerschütterlicher[2] Optimismus, ihre fröhliche Ausstrahlung[3] und ihr starker Glaube bringen ihr eine besondere Auszeichnung ein.

Bethany sagt: „Ich kapierte[4] irgendwie, dass mir eine besondere Gelegenheit gegeben wurde, von Gott zu erzählen. Viele Leute würden mit mir reden wollen, weil ich das Mädchen bin, das von diesem Hai angegriffen wurde. Und darum wollen sie hören, was ich zu sagen habe. Ist das nicht toll[5]

Zwei Wochen vor dem Unfall hatten Bethany und ihre Mutter angefangen, Gott nach Bethanys Platz und Aufgabe zu befragen. Sie wollten wissen, was Gottes Willen für ihr Leben ist. „Also wusste ich, als es passierte, dass wir in Gottes Hand waren“, sagt ihre Mutter. „In all dem Schmerz war ich ruhig und hatte Frieden.“

Und auch Bethany fühlt sich geborgen. Trotz mancher Albträume[6] weiß sie, dass sie ihre Kraft, all das zu überwinden, nicht von sich aus hat, sondern nur durch Jesus Christus. „Ich kann eines sagen“, erklärt das junge Mädchen, „er ist es, der mich durch all das gebracht hat. Und ich habe einen besonderen Vers, den mir ein Freund gab, als ich im Krankenhaus war: Denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Das sage ich, der HERR. (Jeremia 29,11).

Ich wäre nicht mehr hier, wenn ich Gott nicht um Hilfe gebeten hätte. Ich sehe das alles als einen Teil von Gottes Plan für mein Leben. Und vielleicht musste das ja passieren, damit ich anderen von Gott erzählen kann, um ihnen damit zu helfen, in den Himmel zu kommen.“

Weitere Infos in Englisch unter: www.bethanyhamilton.com.

Das Buch über ihre Erlebnisse und ihr Leben erscheint im Mai diesen Jahres.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 1/2005

 

[1] surfen: auf einem (Surf)Brett stehend über einen See oder das Meer segeln ? windsurfen
[2] unerschütterlich: (hier) ganz groß
[3] die Ausstrahlung: fröhliches Wesen
[4] kapieren: (gespr.) verstehen
[5] toll: großartig wunderbar
[6] der Albtraum: ein Traum von schrecklichen Erlebnissen


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