Sachsen ***

Der Freistaat Sachsen ist ein Bundesland im mittel-östlichen Teil Deutschlands. Sachsen führt heute, wie schon als Gliedstaat des Deutschen Reichs nach 1918, die Bezeichnung Freistaat[1]. Benachbarte Bundesländer sind im Norden Brandenburg, im Nordwesten Sachsen-Anhalt, im Westen der Freistaat Thüringen und im Südwesten der Freistaat Bayern. Eine gemeinsame Staatsgrenze hat Sachsen im Süden mit Tschechien und im Osten mit Polen. Die Landeshauptstadt Sachsens ist Dresden.

Die Sächsische Schweiz

Das Elbsandsteingebirge zwischen Erzgebirge und Oberlausitz, von der Elbe in einem tiefen Tal durchbrochen, zählt mit seinen bizarren[2] Felsen zu den reizvollsten Landschaften Sachsens und erhielt wohl deshalb von Schweizer Malern den Namen „Sächsische Schweiz“.

Das 360 Quadratkilometer große Gebiet ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Dresdner Bevölkerung. Große Anziehungskraft üben seine 1088 Gipfel auch auf Kletterer aus. Teilweise 100 Meter ragen die Felsen im Elbtal steil empor. Die Festung Königstein, auf einem 360 Meter hohen Felsen gelegen, ist eine der größten Bergfestungen in Europa.

Meißen

Kaiser Otto I. stiftete im Jahre 968 das Bistum Meißen. Der Burgberg mit dem Dom und der Albrechtsburg beherrscht das Panorama der Stadt. Vom Fluss ziehen sich die Fachwerkhäuser zum Burgberg hinauf. Hier oben auf der Burg erfand J. F. Böttger das erste europäische Hartporzellan. Seit 1710 wird es in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen hergestellt [3].

Messestadt Leipzig

Leipzig ist mit über 510.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt der neuen Bundesländer. Außerdem ist es ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und eines der wichtigsten Wirtschaftszentren der neuen Bundesländer.

Nach Verleihung des Stadtrechts und der Marktprivilegien im Jahre 1165 entwickelte sich Leipzig bereits während der deutschen Ostbesiedlung zu einem wichtigen Handelszentrum. Leipzigs Tradition als bedeutender Messestandort in Mitteleuropa mit einer der ältesten Messen der Welt geht auf das Jahr 1190 zurück. Neben Frankfurt am Main ist die Stadt ein historisches Zentrum des Buchdrucks und des Buchhandels. Außerdem befindet sich in Leipzig eine der ältesten Universitäten sowie die älteste Handels- und Musikhochschule Deutschlands. Bedeutung in der jüngeren Geschichte erhielt die Stadt 1989 durch die Montagsdemonstrationen, die den entscheidenden Impuls für die Wende durch eine „friedliche Revolution“ und für die Wiedervereinigung Deutschlands gaben.

Sehenswert in Leipzig sind die spätgotische Nikolaikirche, die Thomaskirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert, an der Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750 als Kantor[4] tätig war, das 1556 errichtete Renaissance-Rathaus und das Neue Rathaus. Von den Bürgerhäusern und Handelshöfen sind die Alte Börse (1678 – 1687), das Romanushaus (Anf. 17. Jhdt.) und das Königshaus (1705) erhalten.

Im Südosten der Stadt steht das Völkerschlachtdenkmal. Die Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) war die Entscheidungsschlacht der so genannten Befreiungskriege. Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten Österreich, Preußen, Russisches Reich und Schweden gegen die Truppen Kaiser Napoleons. Mit insgesamt etwa 520.000 Soldaten aus über einem Dutzend Völkern war dies eine der größten Schlachten der Weltgeschichte, die 115.000 Soldaten das Leben kostete und mit einer vernichtenden Niederlage Napoleons endete.

Barockstadt Dresden

Altstadt von Dresden bei Nacht (Bild: Der Weg)

Altstadt von Dresden bei Nacht (Bild: Der Weg)

Die Prachtbauten August des Starken prägen das Stadtbild Dresdens. Der Zwinger ist eine der beeindruckendsten Barockanlagen seiner Zeit. [5]

Weltbekannt ist die Gemäldegalerie „Der Zwinger“ mit der „Sixtinischen Madonna“ von Raffael.

Der Architekt Gottfried Semper plante neben dem „Zwinger“ auch die nach ihm benannte und von seinem Sohn 1871-1878 am Theaterplatz errichtete Oper. Ebenfalls am Theaterplatz steht die zwischen 1739 und 1755 erbaute barocke Katholische Hofkirche. Am Ufer der Elbe schließt sich die Brühlsche [6] Terrasse an. Unweit davon steht die in der schrecklichen Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 bis auf die Grundmauern zerstörte Frauenkirche, ein barockes Meisterwerk, die nach jahrzehntelanger Aufbauarbeit seit 2005 wieder in altem Glanz erstrahlt.

Jagdschloss Moritzburg

Nördlich von Dresden, inmitten ausgedehnter Wälder, errichtete Herzog Moritz 1542-1546 ein schlichtes Renaissance-Schloss, das August der Starke später im Stil des Barock umgestalten ließ. Der von Wasser umgebene Schlossbau mit vier Rundtürmen ist ein architektonisches Kleinod und lockt zu jeder Jahreszeit Tausende von Touristen an.

Erzgebirge

Das Erzgebirge bildet auf einer Länge von 140 Kilometern zwischen Elbe und Vogtland die Grenze nach Tschechien. Dieses sächsische Mittelgebirge steigt nach Südosten auf 800 bis 900 Meter Höhe an . Der 1214 Meter hohe Fichtelberg ist die höchste Erhebung und ein beliebtes Zentrum des Wintersports. Hier werden im Winter auch häufig internationale Wettkämpfe ausgetragen..

Das Klima des Erzgebirges ist rau, der Boden steinig und wenig fruchtbar. Auf der Nordseite des Gebirges fallen jährlich bis zu 1200 Millimeter Niederschlag. Zur böhmischen Seite im Süden ist das Klima milder, daher finden sich auch noch in größeren Höhen Laubwälder, während auf deutscher Seite Fichtenwälder vorherrschen.

Die Besiedlung des Erzgebirges begann im 12. Jahrhundert. Im Jahre 1163 wurde bei Freiberg Silber gefunden. Mit Bergleuten, die man aus dem Harz herbeiholte, begann man das Edelmetall abzubauen – seither trägt das Erzgebirge seinen Namen.

Mit dem Rückgang des Erzbergbaus brach die Not im Erzgebirge aus. Heimarbeit, z. B. Klöppelarbeiten[7] und das Schnitzen von Holzfiguren und Weihnachtspyramiden, bildeten fortan oft die einzige Einnahmequelle. Inzwischen ist der Fremdenverkehr in dieses Gebiet eingezogen. Besonders beliebt bei Wintersportlern ist das Gebiet um das Städtchen Oberwiesenthal.

Bautzen in der Oberlausitz

Die Oberlausitz, deren bedeutendste Stadt Bautzen ist, kam erst nach dem Dreißigjährigen Krieg an Sachsen. Seit 1346 gewann der Oberlausitzer Städtebund mit Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Löbau und Lauban zunehmend an eigenständiger Bedeutung. Im 16. Jahrhundert schloss sich der Bund dem evangelischen Glauben an.

Bautzen – das ehemalige Budissin – ist sorbisches Kulturzentrum mit vielen Institutionen zum Erhalt und zur Erforschung der sorbischen Volkskultur. Zu DDR-Zeiten erlangte Bautzen allerdings traurige Berühmtheit durch die Strafanstalt. Ausgangspunkt der frühmittelalterlichen Siedlung war eine slawische Befestigung, an deren Stelle die Ortenburg errichtet wurde. Der Dom, an dem vom 13. bis zum 15. Jahrhundert gearbeitet wurde, ist die Kathedrale des Bistums Meißen. Sie fällt durch ihren eigenwillig geknickten Grundriss auf. Weiterhin sehenswert sind die Michaelskirche von 1430, die Alte Wasserkunst – zwischen 1496 und 1558 zur Versorgung der Stadtbevölkerung mit Trinkwasser und auch als Befestigung angelegt – und das von Patrizierhäusern am Hauptmarkt umgebene, barocke dreigeschossige Rathaus sowie die aufwendig gestalteten historischen Bürgerhäuser in der Altstadt.

Aufgrund seiner Burganlage und des markanten Stadtpanoramas wird Bautzen schon seit dem 19. Jahrhundert auch als „sächsisches Nürnberg“ bezeichnet.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 4/2008

 

[1] Ein im 19. Jahrhundert entstandenes deutsches Synonym für den Begriff „Republik“ als eines von einem Monarchen freien Staates.
[2] eigenartig
[3] Markenzeichen sind die gekreuzten Schwerter.
[4] der Leiter eines (Kirchen-)Chors, der zugleich Orgel spielt
[5] der Architekt M. D. Pöppelmann errichtete zwischen 1711-28 den Gebäudekomplex als Kette von Pavillons und Galerien um drei Seiten eines großen Hofes als Symbol absolutistischen Herrschertums. Die vierte Seite des Hofes zum Theaterplatz wurde nach Plänen des Architekten Gottfried Semper 1847-54 geschlossen.
[6] Graf von Brühl war Hofmarschall von August dem Starken.
[7] eine besondere Art der Herstellung von Spitzen 


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