Unterwegs auf der Schwäbischen Alb **

Heute besuchen wir die Schwäbische Alb. Dort kann man sehr viel Interessantes und Spannendes finden: märchenhafte Burgen, tiefe Höhlen, Wasser, das plötzlich verschwindet, das Schloss eines deutschen Kaisers und vieles mehr. Lassen wir uns überraschen!

Die schwäbische Alb liegt südlich der Stadt Stuttgart im Bundesland Baden-Württemberg. Sie ist ca. 200 km lang und 40 km breit. Der schwäbische Dichter Eduard Mörike[1] nannte die vielseitige Landschaft ein „wildes Paradies”. Wiesen und Wälder wechseln mit idyllischen[2] Ortschaften ab.

Vor etwa 150 Millionen Jahren soll in dieser Gegend ein großes Meer die Erde bedeckt haben. Es bildeten sich Kalke[3], aus denen die Schwäbische Alb aufgebaut ist. Heute ist natürlich kein Meer mehr zu sehen, aber eine abwechslungsreiche Landschaft. Es gibt Berge mit über 1000 Meter Höhe, rund 2000 Höhlen und auch alte, erloschene Vulkane.

Der Blautopf und die Nixe Lau

Besuchen wir zuerst den so genannten „Blautopf” in der Nähe der Stadt Blaubeuren. Hier entspringt das Flüsschen Blau, aber manchmal ist der kleine Quellsee auch wirklich tief blau. Er entspringt in unterirdischen Höhlen. Taucher haben schon versucht, die Höhlen zu erforschen. Der schwäbische Dichter Eduard Mörike hat über den Blautopf eine Geschichte geschrieben. Sie erzählt von einer Wassernixe[4], der schönen „Lau”. Sie war die Frau eines Wasserkönigs aus dem Schwarzen Meer. Sie war immer traurig und konnte deshalb keine gesunden Kinder zur Welt bringen. So verbannte sie ihr Mann sie in den Blautopf, bis sie fünf Mal gelacht hatte. Mit Hilfe der Schwaben lernte sie wieder lachen und durfte anschließend ins Schwarze Meer zurück.

Die Burg Lichtenstein

Ein anderer schwäbischer Dichter der Romantik hieß Wilhelm Hauff[5]. Er hat viele Märchen geschrieben.erstreckt[6] In seinem Ritterroman „Lichtenstein” spielt ein Schloss eine Hauptrolle. Angeregt durch den Roman wurde 15 Jahre später oberhalb des Städtchens Lichtenstein eine Ritterburg gebaut. Sie sollte aussehen, wie eine mittelalterliche Burg. Heute ist sie eines der Wahrzeichen der Schwäbischen Alb. Über 100 Burgen, Schlösser und Ruinen findet man auf der Schwäbischen Alb.

Wunderwelt der Tropfsteinhöhlen

Ganz in der Nähe befinden sich auch zwei schöne Höhlen. Die Nebel- und die Bärenhöhle. In der Bärenhöhle kann man alte Knochenfunde sehen. Diese zeigen, dass schon vor 20.000 Jahren Nashörner, Höhlenlöwen und natürlich Bären in der Tropfsteingrotte lebten. Vor etwa 8000 Jahren war die Bärenhöhle die Heimat von Höhlenmenschen. Die Nebelhöhle gehört zu den schönsten Schauhöhlen der Schwäbischen Alb. Es ist eine Tropfsteinhöhle. Aus tropfendem Wasser entstandene Kalkzapfen stehen am Boden[7] oder hängen von der Decke herab[8]. Im Scheinwerferlicht sieht das wunderbar aus!

Wo die Donau entspringt und dann wieder verschwindet

Nahe dem südwestlichen Rand der Schwäbischen Alb, in Donaueschingen, bildet sich die Donau aus den beiden Flüsschen Brigach und Breg, die ihre Quellen im Schwarzwald haben. „Brigach und Breg, bringen die Donau zuweg”, heißt ein bekannter Vers. Sie ist mit 2.840 km Länge der zweitlängste Fluss Europas. [9]

Interessant ist, dass die Donau später bei Immendingen wieder fast ganz verschwindet. Sie versickert in großen unterirdischen Hohlräumen. Man schätzt, dass die Hohlräume etwa 50 Millionen Kubikmeter Wasser fassen können. Heutzutage ist die Donau hier an etwa 270 Tagen im Jahr ganz verschwunden, vor hundert Jahren waren es gerade einmal 80 Tage. Später taucht sie wieder auf und bricht sich dann einen Weg durch die Schwäbische Alb. Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen entstand so eines der eindrucksvollsten Flusstäler Deutschlands. Man sieht dort steile und hoch aufragende Felsen, auf denen manche Burgen stehen.

Die Burg Hohenzollern

Eine der schönsten und am meisten besuchten Burgen Europas finden wir auch auf der Schwäbischen Alb: die Burg Hohenzollern. Hoch liegt sie auf dem schönsten Berg Schwabens. Von dort kann man weit ins Land sehen. Schon der deutsche Kaiser Wilhelm II. rief bewundert: „Die Aussicht von der Burg Hohenzollern ist wahrlich eine weite Reise wert”.

Von dieser Burg hat das Adelsgeschlecht der Hohenzollern seinen Ausgang genommen. Mehrfach wurde die Burg zerstört. Wilhelm IV. von Preußen (später Kaiser Wilhelm I. des deutschen Reiches von 1871), ließ die Burg dann zwischen 1850 und 1867 wieder aufbauen. So entstand ein „schwäbisches Neuschwanstein” mit vielen Türmen und Wehranlagen[10]. In der Schatzkammer des Schlosses findet man neben der preußischen Königskrone zahlreiche Erinnerungsstücke an Friedrich den Großen und weitere Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 2/2004

[1] 1804-1875
[2] idyllisch: ruhig und landschaftlich schön
[3] die Kalke: Sorten von Kalk (= ein weißes Pulver aus Kalkstein, das man z. B. beim Bauen braucht)
[4] die Nixe: ein (fiktives) Wesen mit dem Körper einer Frau und dem Schwanz eines Fisches, das im Wasser lebt – Meerjungfrau
[5] 1802-1827
[6] Zu seinen bekanntesten Märchen gehören „Zwerg Nase”, „Kalif Storch”, „Der kleine Muck” und „Das kalte Herz”
[7] (Stalagmiten)
[8] (Stalaktiten)
[9] Der Quelltopf im Schlosshof lässt davon aber noch nichts erahnen. Früher kam das Wasser aus einer Röhre. Eine Anekdote erzählt, wie ein lustiger Österreicher einmal die Röhre mit der Hand zuhielt. „Wie werden die Wiener sich wundern, wenn die Donau ausbleibt”, rief er dann.
[10] die Wehranlage: Befestigung zur Verteidigung (Abwehr) von Angriffen


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