Rund um den Mittelrhein (2)

Das Saarland

Wenig oberhalb von Trier mündet die Saar in die Mosel, jener Fluss, der dem mit einer Fläche von 2573 Quadratkilometern kleinsten Flächenstaat der Bundesrepublik Deutschland seinen Namen gegeben hat. Besiedelt wurde das Gebiet an der Saar schon in vorgeschichtlicher Zeit. Aus der Herrschaftsperiode der Römer sind eine Reihe von Gutshöfen und Städte bekannt. Während der fränkischen Landnahme wurden viele Dörfer gegründet, die heute noch an ihren Endungen wie -ingen, -angen, -heim oder -dorf zu erkennen sind. Eine zweite Siedlungswelle erfolgte im Mittelalter, als man begann, die riesigen Wälder zu roden- hierauf deuten Ortsnameendungen wie -rod, -reuth oder -rath hin. In dieser Zeit etablierte sich auch die Grafschaft Saarbrücken.

Im Laufe seiner Geschichte geriet das Saarland immer wieder unter französische Herrschaft, bis es 1815 preußisch wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden entsprechend dem Versailler Vertrag die südlichen Teile der preußischen Rheinprovinz und die westlichen Teile der bayerischen Pfalz auf 15 Jahre dem Völkerbund als Treuhänder[1] unterstellt. 1935 sprach sich in einer Volksabstimmung die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für die Wiedereingliederung ins Deutsche Reich aus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges löste Frankreich das Saarland aus der französischen Besatzungszone heraus. Wieder erfolgte eine Volksabstimmung, wieder sprach sich die Bevölkerung für Deutschland aus, und die erneute Rückgliederung wurde zum 1. 1. 1957 wirksam.

Das Saarland hat eine sehr vielschichtige Landesstruktur. Im Norden hat das Saarland noch Anteil am Hunsrück. Südlich vorgelagert sind Teile des Pfälzer Berglandes. Von Völklingen bis Bexbach-Höchen zieht sich der Steinkohlenwald entlang. Der Kohle verdankt das Saarland auch die Industrialisierung im vorigen Jahrhundert. Der Südteil des Saarlandes wird von einer waldreichen Hügellandschaft bedeckt.

Residenzstadt Saarbrücken

Nach der Volksabstimmung 1957 entstanden in Saarbrücken als Hauptstadt repräsentative Bauten für Regierung und Verwaltung sowie großzügige Verkehrswege. Als Einkaufsstraße entwickelte sich die Kaiserstraße nördlich der Saar, zwischen Hauptbahnhof und dem St.-Johannes-Rathaus. Das Schloss mit der Schlosskirche und die alte Brücke zum Ortsteil St. Johann. bilden das eigentliche Zentrum der Stadt Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter Graf Ludwig,, auf den wesentliche Teile der Stadtanlage sowie das Renaissanceschloss, das allerdings 1677 zerstört wurde, zurückgehen. Unter Fürst Wilhelm Heinrich (1741-68) wurden viele prächtige Barockhäuser gebaut.

Trotz großer Zerstörungen im 2. Weltkrieg besitzt Saarbrücken noch eine Vielzahl historischer Bauten. So ist der Schlossplatz in alter Schönheit erhalten geblieben. Hier stehen die Evangelische Schlosskirche aus dem 15. Jahrhundert, das Schloss – der heutige Rokokobau wurde von E J. Stengel entworfen – und das Alte Rathaus. Die evangelische Ludwigkirche, zwischen 1762 und 1775 ebenfalls von Stengel errichtet, gilt als der bedeutendste Kirchenbau des Saarlandes. Ebenfalls sehenswert ist die barocke Basilika St. Johann.

Der Hunsrück

Zwischen Mosel und Nahe gelegen, bildet der Hunsrück die Südwestgrenze des Rheinischen Schiefergebirges und die linksrheinische Fortsetzung des Taunus bis zur Saar. Seine höchsten Erhebungen sind im Hochwald der „Erbeskopf“ (818 Meter), im Idarwald der 766 Meter hohe „An den Zwei Stinen“, im Binger Wald der 637 Meter hohe „Kandrich“ und im Soonwald der 658 Meter hohe „Ellerspring“. Die Hochlagen des Hunsrück sind, wie überall im Rheinischen Schiefergebirge, klimatisch benachteiligt, sodass hier die Landwirtschaft hinter der Forstwirtschaft zurücktritt. Die Täler zur Mosel und zum Rhein hin sind tief eingeschnitten.. Dies ist eines der ältesten Obst- und Weinanbaugebiete in Mitteleuropa.. Weit über Deutschland hinaus wird der wunderbare Moselwein von Kennern geschätzt . Die Industrie ist im Hunsrück wenig ausgeprägt, sodass viele seiner Bewohner in den benachbarten Regionen ihrer Arbeit nachgehen.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 4/2009

 

[1] Verwalter, also unter französische Verwaltung gestellt


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