Der Harz ****

Lage

Der Harz ist das höchste Gebirge im Norden Deutschlands. Er liegt an der Schnittstelle der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er ist 110 km lang und 30-40 km breit. Im Nordwesten begrenzt ihn die Stadt Seesen, im Südosten die Martin Luther[1]-Stadt Eisleben.

Klima

Die Temperaturen sind insgesamt etwas niedriger als in der Ebene. Der Harz ist sehr niederschlagsreich. Wegen der guten Luft gibt es viele Luftkurorte, die besonders für Asthmakranke und Menschen mit Pollenallergien gesund sind. In Clausthal-Zellerfeld ist das Klima so rau und der Winter so lang und schneereich, dass der Name der Stadt scherzhaft in „Saukalt-Schnellerkält“[2] umbenannt wurde. Man sagt, die Universität dort habe als einzige Uni zwei Wintersemester[3].

Berge

Der nordwestliche Teil des Harzes ist höher und wird Hochharz genannt, der südöstliche Unterharz. Der höchste Berg ist der Brocken mit 1.141 m. Seine Nebengipfel sind die Heinrichshöhe (1.044 m) und der Königsberg (1.023 m). Andere bekannte Berge sind der Wurmberg (971 m) bei Braunlage, der Achtermann (925 m) und der Acker-Bruchberg-Höhenzug (927 m). Der Name kommt von „Hart“, was „Bergwald“ bedeutet. Die Berge sind im unteren Bereich mit Laubbäumen, vor allem mit Buchen, bewaldet. In den höheren Regionen (zwischen 800 und 1000 m) wachsen Fichten. Eine Besonderheit sind die Hochmoore im Harz, die in der letzten Eiszeit entstanden sind.

Gewässer

Im Harz gibt es viele Flüsse, die zum Teil aufgestaut wurden. Diese Stauseen dienen der Stromerzeugung, der Trinkwassergewinnung und zum Ausgleich bei Hoch- oder Niedrigwasser. Die größten Flüsse sind die Oder im Süden, im Osten die Wipper und im Norden Innerste, Oker und Bode.

Wirtschaft

Der Harz besteht aus vielen verschiedenen Gesteinen, die Bodenschätze enthalten. Des-halb ist der Bergbau sehr wichtig gewesen. Im Mittelalter hatte das Kloster Walkenried (bei Bad Sachsa) großen wirtschaftlichen Einfluss auf den gesamten Harz mit Ackerbau, Fischzucht und Silberbergbau im Oberharz. Während der Silberbergbau den Oberharz prägte, war es im Ostharz der Kupferschieferabbau. Heute sind besonders die Kalkvorkommen bei Bad Grund und Elbingerode von Bedeutung. Neben Bergbau ist die Forstwirtschaft wichtig. Die Technische Universität Clausthal-Zellerfeld entwickelte sich aus einer Bergbau-Schule. Sie ist jetzt ein Zentrum für naturwissenschaftliche und ingeni-eurtechnische Forschung. Eine neuere Universität ist die Hochschule Harz mit den Standorten Wernigerode und Halberstadt.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für den Harz ist auch der Tourismus. Der Harz ist im Sommer durch viele Sportmöglichkeiten sehr attraktiv: Wandern, Mountainbike fahren, Klettern, Drachenfliegen, Kanufahren oder Wildwasserpaddeln. Im Winter locken ebenfalls verschiedene Wintersportmöglichkeiten.

Sehenswürdigkeiten

Am Brocken ist ein Urwaldstieg[4] gebaut worden, auf dem man über 200 m den Brockenurwald[5] betrachten kann. Er ist Teil des Nationalparks Harz. Es gibt zahlreiche Tropfsteinhöhlen im Harz, die besichtigt werden können, z.B. die Iberger Topfsteinhöhle bei Bad Grund. Interessant sind auch die vielen stillgelegten Bergwerke, die als Schaubergwerke oder Bergwerksmuseen dienen.

Die Städte in und um den Harz haben vielfach ihre historischen Ortskerne erhalten und sind sehr sehenswert. Quedlinburg war einst Kaiserresidenz[6] und ist heute UNESCO Weltkulturerbe mit 1200 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten. Auch Goslar wurde vom deutschen Kaiser im Mittelalter regelmäßig besucht. Davon zeugen noch die Kaiserresidenz, das Kaiserringhaus oder Kaiserworth. Der deutsche Heimatdichter Hermann Löns bezeichnete Wernigerode als „die bunte Stadt am Harz“, wahrscheinlich wegen ihrer vielen Fachwerkbauten. Über ihr thront ein Schloss, das heute ein Museum ist. Die Stadtmitte wird von einem der schönsten Rathäuser Europas geprägt. In Clausthal-Zellerfeld findet man die größte erhaltene Holzkirche Europas sowie Geburts- und Jugendhaus des berühmten Mikrobiologen Robert Koch.

Sprache und Brauchtum

Zweimal wurde der Harz fast entvölkert: Das erste Mal durch die Pest im 14. Jahrhundert, das zweite Mal während des 30-jährigen Krieges (1618-1648). Um den Bergbau wieder aufleben zu lassen, wurden Menschen aus dem Erzgebirge im Harz angesiedelt, die ihre Mundart mitbrachten. In einigen Orten sprechen noch einige der älteren Leute die sogenannte Oberharzer (Ewerharzer) Mundart.

Das Brauchtum[7] wird durch Heimatgruppen gepflegt, z.B. werden so die alten Trachten[8] erhalten, die Mundart und auch die Harzer Heimatmusik.

Maler und Dichter

Trotz des rauen Klimas hat der Harz auch Künstler angezogen und inspiriert. Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und viele andere malten ihn. Goethe, Heine, Eichendorff und der Däne Hans Christian Andersen bereisten und schrieben über ihn.

„… Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen …
Heller wird es schon im Osten
Durch der Sonne kleines Glimmen,
Weit und breit die Bergesgipfel
In dem Nebelmeere schwimmen …“
(Heinrich Heine, Harzreise)

Heike T.

Der Artikel erschien in „Der Weg“ 2/2011

 

[1] Luther – durch ihn begann im 16. Jahrhundert die Reformation – wurde in Eisleben geboren und starb dort.
[2] Clausthal-Zellerfeld und Saukalt-Schnellerkält klingen ähnlich.
[3] Der Sommer ist so kalt, dass er wie Winter ist – ein Scherz!
[4] ein aus Holz gebauter, erhöhter Weg, so dass man von oben den Urwald ansehen kann (vgl. Der Baumkronenweg)
[5] ein Wald, der nicht vom Menschen beeinflusst wird
[6] Der deutsche Kaiser wohnte im Mittelalter nicht an einem festen Ort, sondern in verschiedenen Städten.
[7] Sitten und Bräuche, Traditionen, Kultur
[8] Kleidung, die früher für diesen Ort typisch war


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